Zeitgemäße Lehr- und Prüfungskultur durch Digitalisierung
Neue Podcastfolge beleuchtet aktuelle Veränderung der Hochschullehre
DOI:
https://doi.org/10.15460/apimagazin.2026.7.2.316Schlagwörter:
Künstliche Intelligenz, Hochschullehre, Prüfungen, TransparenzBegutachtung
Abstract
Im Rahmen eines Gestaltungsprojekts im Master „Digitale Transformation der Informations- und Medienwirtschaft” an der HAW Hamburg entwickelten Masterstudierende zusammen mit Bachelorstudierenden aus Mediasystems und Medientechnik im Wintersemester 2025/26 eine wissenschaftliche Podcastfolge zum Thema: Zeitgemäße Lehr- und Prüfungskultur durch Digitalisierung und KI. Viele Expert*innen, u.a. von der HAW Hamburg, kommen zu Wort.
1 Einleitung
Im Rahmen eines Gestaltungsprojekts im Master “Digitale Transformation der Informations- und Medienwirtschaft” entwickelten Studierende unter der Leitung von Dr. Katharina Jeorgakopulos und Emma Schilling im Auftrag des Präsidiums eine wissenschaftliche Podcastserie zum Thema: Zeitgemäße Lehr- und Prüfungskultur durch Digitalisierung und KI. Gefragt wurde, wie eine durch Kompetenz, Künstliche Intelligenz und Digitalisierung getriebene, zukunftsgerichtete Prüfungs- und Wissenschaftskultur an Hochschulen aussehen könnte. Sechs Podcastfolgen mit Expert*innen sind als Reihe entstanden, die im Tonlabor der HAW Hamburg produziert wurden. Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz, Digitalisierung und einer neuen Prüfungs- und Lernkultur, standen das journalistische Podcast-Format, Fragentechniken, Podcast-Techniken und Podcast-Redaktion auf dem Plan.
Im Folgenden soll die sechsteilige Reihe zu den unterschiedlichen Facetten dieses aktuellen Themas kurz vorgestellt werden. Der Wissenschaftspodcast lässt sich als Reihe wie auch als Einzelbeitrag hören. Die gesamten Podcastfolgen, die auf den Seiten der Hamburg Open Online University – HOOU gelauncht wurden, sind hier verlinkt: https://portal.hoou.de/blog/show/digitales-dilemma/. Die Links zu den Einzelfolgen sind in den entsprechenden Abschnitten zu finden.
2 Die Folgen der Podcastserie
2.1 Erste Folge: KI in der Wissenschaft: Hochschulen zwischen Innovationsdruck und Bewahrung der akademischen Tradition
Generative KI verändert aktuell die Hochschullehre. Die erste Folge von “Digitales Dilemma” diskutiert, wie künstliche Intelligenz Wissenschaft und Hochschulen verändert, welche Richtlinien und KI-Kompetenzen dafür nötig sind und welche Chancen sowie Risiken sich für die akademische Praxis ergeben.
Ein historischer Rückblick in die Wissenschaftsgeschichte zeigt, dass KI nicht nur ein neues Werkzeug ist, sondern tiefgreifende Auswirkungen für die wissenschaftliche Praxis und das akademische Selbstverständnis mit sich bringt. Die Expertinnen Prof. Dr. Barbara Müller, Professorin der Radboud Universität in Nijmegen, und Dr. Jannica Budde, Senior Projektmanagerin am Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), ordnen Risiken, Potenziale und die Notwendigkeit klarer Regeln für KI ein und zeigen, welche Kompetenzen für eine verantwortungsvolle Wissenschaft der Zukunft entscheidend sind. 1
Folge 1 mit dem Titel “KI in der Wissenschaft: Hochschulen zwischen Innovationsdruck und Bewahrung der akademischen Tradition”: https://portal.hoou.de/blog/episodes/ki-in-der-wissenschaft-hochschulen-zwischen-innovationsdruck-und-bewahrung-der-akademischen-tradition/. 2
2.2 Zweite Folge: Ghostwriting oder Inspiration? – Wie KI das wissenschaftliche Schreiben verändert
Wie verändert generative Künstliche Intelligenz den Schreibprozess konkret? Die zweite Folge beleuchtet, wie künstliche Intelligenz den wissenschaftlichen Schreibprozess von Studierenden beeinflusst und welche Chancen sowie Herausforderungen sich daraus für Studium und Hochschullehre ergeben.
Auf Basis einer anonymen Studierendenbefragung und im Gespräch mit Katharina Gerhardt, preisgekrönte Lehrbeauftragte der Fakultät Informatik und Digitale Gesellschaft der HAW Hamburg, wird diskutiert, wo KI sinnvoll unterstützt, wo Abhängigkeiten gefördert werden und warum Schreiben “mehr” als die reine Textproduktion ist. In dem Gespräch wird deutlich, dass KI nur dann einen Mehrwert bietet, wenn sie “reflektiert und transparent eingesetzt wird” und so den selbständigen Denkprozess sinnvoll ergänzt. Die Vermittlung und Förderung von Digital Literacy sollte daher für Hochschulen selbstverständlich sein. Unter dem Begriff “Digital Literacy” versammeln sich Schlüsselqualifikationen, “vor allem die Informations- und Medienkompetenz, die Digitale Kompetenz, die Datenkompetenz sowie die Schreibkompetenz; ferner Kompetenzen, die im Zusammenhang mit dem Publizieren (OA, Bibliometrie) nachgefragt sind.” (Sühl-Strohmenger 2022: 729).
Folge 2 mit dem Titel “Ghostwriting oder Inspiration? – Wie KI das wissenschaftliche Schreiben verändert”: https://portal.hoou.de/blog/episodes/ghostwriting-oder-inspiration-wie-ki-das-wissenschaftliche-schreiben-veraendert/. 3
2.3 Dritte Folge: Prüfungen neu denken – Von Kontrolle zur Kompetenz
Wie kann Lehre künftig gestaltet werden? Die dritte Folge diskutiert, wie künstliche Intelligenz und feedbackorientiertes Lehren Hochschulen verändern können und welche Richtlinien sowie KI-Kompetenzen für eine zukunftsorientierte Wissenschaft und Lehre erforderlich sind.
Hochschulen sind in dieser Anschauung nicht nurmehr “Orte der Kontrolle”, sondern stehen für offene Lehre. Mit den Gästen Katja Königstein, Referentin für Mediendidaktik und Curriculum-Entwicklung der HAW Hamburg, und Hendrik Haase, Masterstudierender der Digitalen Transformation, wird ein Zukunftsbild von Lehre und Prüfen im digitalen Zeitalter entworfen. Künftig, so die Vision, beruhe die Lehre auf Vertrauen, Feedback und Zusammenarbeit – geprägt durch KI. Hochschulen wären “lernende Organisationen”, in denen Studierende ihren Lernfortschritt aktiv mitgestalten und Lehrende “zu Begleitern” werden. 4 Eine Folge über neue Rollen und die Frage, wie zeitgemäßes Lernen in Zukunft aussehen kann.
Folge 3 mit dem Titel “Prüfungen neu denken – Von Kontrolle zur Kompetenz”: https://portal.hoou.de/blog/episodes/pruefungen-neu-denken-von-kontrolle-zur-kompetenz/. 5
2.4 Vierte Folge: Zwischen Feedback und Verantwortung – Neue Beziehungen im digitalen Lernen
Welche neuen Kompetenzen brauchen Studierende und Lehrende? Die vierte Folge beleuchtet, wie Portfolioprüfungen, Feedback und künstliche Intelligenz das digitale Lernen im Studium und in der Hochschullehre verändern und so zu einer dialogischen Lernkultur beitragen.
Im Fokus dieser Folge steht die menschliche Seite des digitalen Wandels an Hochschulen: Feedback wird zur Alternative der Benotung. Die Gesprächspartnerin Prof. Dr. Frederike Masemann, Vizepräsidentin für Studium und Lehre der HAW Hamburg, zeigt auf, dass sich die Beziehung zwischen Lehrenden und Studierenden verändert und Vertrauen in Zukunft wichtiger sei als Kontrolle. Gemeinsam mit der Bachelorstudierenden Franka Felgentreu aus dem Studiengang Bibliotheks- und Informationsmanagement wird diskutiert, welche Rolle “Portfolios” als Arbeitsmappe und Dokumentation der eigenen Leistungen, dialogisches Feedback und metakognitive Kompetenzen, als das Wissen über den eigenen Denkprozess, spielen. Lernen wird in dieser Hinsicht zunehmend als gemeinsamer Entwicklungsprozess verstanden. 6
Folge 4 mit dem Titel “Zwischen Feedback und Verantwortung – Neue Beziehungen im digitalen Lernen”: https://portal.hoou.de/blog/episodes/zwischen-feedback-und-verantwortung-neue-beziehungen-im-digitalen-lernen/. 7
2.5 Fünfte Folge: Neues Lernen und Lehren in offenen Lernräumen
Die Hochschule als physischer Raum wird zunehmend virtuell: Die fünfte Folge beleuchtet, wie KI und Digitalisierung neue Lernräume, hybrides Lernen und veränderte Lernarchitekturen an Hochschulen und Bibliotheken hervorbringen. Lernarchitektur wird hier als “theoretischer Überbegriff” verwendet, der die Wechselbeziehung von Architektur und Pädagogik – oder auch pädagogischer Architektur – erklärt. Die bauliche Umsetzung von Lernräumen erfolgt auf Grundlage “pädagogischer Prinzipien”, um das Lernen effizienter und zukunftsorientierter zu gestalten. 8 Die Masterstudierende und Moderatorin dieser Folge, Halina Prull, spricht hierüber mit der Expertin Christine Gläser, Professorin für Informationsdienstleistungen an der Fakultät Informatik und Digitale Gesellschaft der HAW Hamburg.
Ausgangspunkt des Gesprächs ist die Corona-Pandemie, die das digitale Studieren beschleunigte und als Katalysator für hybride Lehr- und Lernformen diente. Daraus folgend entstanden neue Lernarchitekturen, die klassische Lernräume und Lernformate wie das frontale Unterrichten zunehmend in Frage stellen und verdrängen. Mit einem Blick auf zukünftige Entwicklungen von offenen, inklusiven und digital-physisch verzahnten Lernräumen schließt das Gespräch.
Folge 5 mit dem Titel “Neues Lernen und Lehren in offenen Lernräumen”: https://portal.hoou.de/blog/episodes/neues-lernen-und-lehren-in-offenen-lernraeumen/. 9
2.6 Sechste Folge: Keine Panik vor der Prüfung – Sind KI und Fairness eine Chance?
Kann KI ein Helferlein bei Prüfungsangst sein? Die Folge sechs beleuchtet Prüfungsangst im Studium, ihre Auswirkungen auf die Studierendengesundheit sowie die Frage, wie Künstliche Intelligenz und neue Prüfungsformate zu mehr Prüfungsgerechtigkeit in der Hochschulbildung beitragen können.
Im Gespräch mit Prof. Dr. Sonia Lippke, Professorin für Gesundheitsförderung und Prävention an der HAW Hamburg, werden Prüfungsangst im Studium und deren psychologische sowie strukturelle Ursachen beleuchtet. “Prüfungsangst”, so die Expertin, “hat Auswirkungen auf Lernen, Leistungsfähigkeit und psychische Gesundheit von Studierenden”.
Mit Prof. Dr. Markus Specht, Lehrstuhlinhaber für Learning Sciences an der FernUniversität in Hagen, diskutieren die Moderatorinnen dieser Folge, ob Künstliche Intelligenz und digitale Werkzeuge mehr Prüfungsgerechtigkeit bedeuten können und wo deren Potenziale und Grenzen liegen. Specht gibt hier Erkenntnisse aus seinem Forschungsprojekt CATALPA (Center of Advanced Technology for Assisted Learning and Predictive Analytics) wieder, das die Integration von Technologie zur Unterstützung menschlicher Lernprozesse erforscht, darunter auch den Einsatz von KI. 10 Einblick in den persönlichen Umgang und die Bewältigung von Prüfungsangst durch KI gibt die Bachelorstudierende Alina Gaede aus dem Studiengang Bibliotheks- und Informationsmanagement der HAW Hamburg.
Folge 6 mit dem Titel “Keine Panik vor der Prüfung – Sind KI und Fairness eine Chance?”: https://portal.hoou.de/blog/episodes/keine-panik-vor-der-pruefung-sind-ki-und-fairness-eine-chance/. 11
3 Fazit
Das Analysethema “Zeitgemäße Lehr- und Prüfungskultur durch Digitalisierung & KI” war zugleich Impuls und Auftrag für die Erstellung einer wissenschaftlichen Podcastserie. Es trifft unmittelbar den Kern der im Masterstudiengang “Digitale Transformation der Informations- und Medienwirtschaft” zu vermittelnden Inhalte, was die digitale Transformation von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft betrifft. “Mit der Nutzung der KI ändert sich der Prozess und die Vorgehensweise bei der Erstellung einer wissenschaftlichen Arbeit und von Prüfungsleistungen wesentlich.”, schreiben Bucher et. al. in ihrem jüngst erschienenen Buch “Künstliche Intelligenz und wissenschaftliches Arbeiten” (Bucher u. a. 2024 Vorwort V). Das Spektrum dieser disruptiven Veränderung machen eine Auseinandersetzung auf wissenschaftlicher Basis notwendig. Dabei wurden von den Masterstudierenden unterschiedliche Aspekte aufgegriffen, die diese Veränderung mit sich bringt und Gefahren wie Chancen bei der Nutzung von (generativer) KI in der Wissenschaft mit ausgewählten Expert*innen im Gespräch beleuchtet.
Das von den Autorinnen angefragte Feedback der Master-Studierenden Helen Krämer, welche an der Podcastserie beteiligt war, bringt die Erfahrungen aus dem Projekt auf den Punkt: “Das Gestaltungsprojekt zur zeitgemäßen Lehr- und Prüfungskultur war für uns ein Eintauchen in die moderne Wissenskommunikation. Wir haben dabei wissenschaftliche Inhalte nicht nur theoretisch durchdrungen, sondern lernten auch, diese journalistisch und crossmedial aufzubereiten. Durch Interviews mit Expert*innen konnten wir verschiedene Perspektiven auf KI im Hochschulalltag abwägen und uns ein fundiertes Bild von den Chancen und Risiken machen.”
Eine der herausfordernden Transformationsleistung, die von den Studierenden unter Anleitung erbracht werden musste, war die von der wissenschaftlichen zu einer journalistischen Darstellungsform im Podcast. Aus sorgfältig recherchierten Texten mit Quellen wurde ein Podcastskript, das die Redezeit von 20 Minuten in einer Podcastfolge genau festhielt und dramaturgisch organisierte – in einfacher Sprache für informierte Zuhörer*innen, die nicht immer aus der Fachszene kommen. Das Erlernen dieses journalistischen Genres war eine der Anforderungen des Kurses, um mit diesem hochaktuellen wie abstrakten Thema eine möglichst breite Öffentlichkeit wie Studierende zu erreichen.
Darüber hinaus erwarben die Studierenden gezielt sprecherische Kompetenzen, die für die Umsetzung audiobasierter Formate wesentlich sind. Im Rahmen von Gruppen- und Einzelsprechtrainings wurden grundlegende Sprechtaktiken vermittelt, die eine adressatengerechte, verständliche und zugleich professionelle Präsentation vor dem Mikrofon ermöglichen. Ergänzt wurde dies durch eine kontinuierliche Begleitung während der Aufnahmen, bei der individuelle Stärken herausgearbeitet und Unsicherheiten gezielt reduziert werden konnten. Die Studierende Helen Krämer beschreibt die Breite der vermittelten Kompetenzen wie folgt: “Wir haben dabei das volle Spektrum abgedeckt: von der Recherche und dem redaktionellen Projektmanagement bis hin zum professionellen Sprechertraining und dem Erstellen von Schnittlisten für unsere Podcasts.”
Diese Verzahnung von inhaltlicher, journalistischer und sprecherischer Qualifizierung verdeutlicht, dass die Erstellung der Podcastserie nicht nur eine Auseinandersetzung mit den Chancen und Herausforderungen von KI darstellt, sondern zugleich als praxisnahes Lernsetting fungiert, in dem unterschiedliche Kompetenzbereiche integrativ geschult wurden. Insbesondere die Verbindung aus wissenschaftlichen Grundlagen, journalistischer Aufbereitung und performativer Umsetzung im Sprechtraining zeigt, wie komplexe Inhalte zielgruppengerecht und wirkungsvoll vermittelt werden.
Literatur
Erhalten
Akzeptiert
Veröffentlicht
Ausgabe
Rubrik
Lizenz
Copyright (c) 2026 Dr. phil. Katharina Jeorgakopulos, Emma Schilling

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International.

