Zum ersten Mal auf einer bibliothekswissenschaftlichen Tagung
Ein Praxisbericht am Beispiel der vBIB25
DOI:
https://doi.org/10.15460/apimagazin.2026.7.2.319Schlagwörter:
Tagung, Vortrag, Praxisbericht, Präsentation, KonferenzBegutachtung
Abstract
Der Beitrag schildert die erste aktive Teilnahme an der virtuellen Bibliothekskonferenz vBIB 2025 aus praxisorientierter Perspektive. Neben der Vorbereitung und Durchführung eines eigenen Vortrags werden zentrale Erfahrungen und Herausforderungen im Kontext der Veranstaltung reflektiert. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden abschließend in zehn Thesen verdichtet.
1 Einführung und Vorgeschichte
Vorträge können dazu beitragen, die fachliche Sichtbarkeit zu erhöhen und am wissenschaftlichen Diskurs teilzuhaben. Am 4. Dezember 2025 hielt ich auf der Online-Tagung vBIB einen Vortrag mit dem Titel „Digitale Erschließung historischer Zeitungen: Stadt-Land-Gefälle und Perspektiven für unerschlossene Bestände”. Kurz gesagt ging es darum, dass historische Zeitungen in Deutschland bislang nur sehr unvollständig digitalisiert, geschweige denn per OCR erschlossen wurden, was die Möglichkeiten der Nutzung massiv einschränkt. Im Vortrag bin ich zunächst auf die Problematik eingegangen, um anschließend eine kleine Vision zu entwickeln, wie mögliche erste Lösungsansätze unter Zuhilfenahme von Citizen Science aussehen könnten.
Es war die erste bibliothekswissenschaftliche Tagung, an der ich aktiv teilgenommen habe. In diesem Beitrag möchte ich aus der Praxis berichten, von der Vorgeschichte bis hin zur Tagung selbst, und Bilanz ziehen, inwieweit sich meine Erwartungen erfüllt haben und was die Lehren für die Zukunft sind. Diese Lehren werden am Ende in Form von zehn Thesen festgehalten.
Die vBIB entstand im Jahr 2020 als coronabedingte Alternative zur BiblioCon, der größten bibliothekswissenschaftlichen Tagung. Nach der Pandemie wurde sie als niedrigschwelligere Ergänzung zur BiblioCon beibehalten.1 Durch das Online-Format entfällt der Reiseaufwand, ebenso werden für die Teilnahme keine Gebühren erhoben.2 Jede Konferenz steht unter einem anderen Motto, 2025 war es „Digitale Offenheit”.
Meine Idee zur vBIB-Bewerbung entstand wiederum im Rahmen der BiblioCon 2025 in Bremen. Als Erstteilnehmer nahm ich die dazu passende Veranstaltung des Berufsverbandes Bibliothek Information (BIB) wahr, auf welcher für die vBIB geworben wurde. Kleinere Vorträge auf Tagungen hatte ich zwar schon gehalten, aber ausschließlich im geschichtswissenschaftlichen Bereich – meinem eigentlichen Fachgebiet – und nur im kleineren Rahmen von historischen Arbeitskreisen. Da mir dies immer Spaß gemacht hatte, entschloss ich mich, es auch einmal bei der vBIB zu versuchen.
2 Themenfindung und Bewerbung
Für eine Tagungsbewerbung braucht es in allererster Linie ein Thema nebst ausreichender Kompetenz. Bloßes Interesse ist nicht unbedingt ausreichend und auch nicht ratsam. Die Themenfindung war für mich selbst die erste große Hürde. In der Realität stellt ein großer Teil der Teilnehmer3 auf Tagungen aktuelle Projekte vor, was meine berufliche Tätigkeit nun nicht hergab. Mein Thema vereinte vielmehr Aspekte aus dieser Tätigkeit – ich katalogisiere und digitalisiere aktuell einen Briefnachlass – mit meinen Erfahrungen in der historischen Recherche.
Mit historischen Zeitungen hatte ich in der Vergangenheit immer wieder zu tun und wusste daher auch um die Problematiken bei der Recherche nach bestimmten Themen, Personen oder Ereignissen. Konkret wollte ich problematisieren, dass es innerhalb Deutschlands ein massives Gefälle und eine Ungleichverteilung bei der Digitalisierung historischer Zeitungen gibt, und überlegen, wie eine Annäherung an mögliche Lösungen aussehen kann. Citizen Science – die Beteiligung von Freiweilligen an wissenschaftlichen Prozessen – ist auch in den Geisteswissenschaften relevant. Die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg bot mir mit ihrem eigenen Zeitungsportal ein passendes Praxisbeispiel.
Gefordert war für die Bewerbung ein Abstract mit prägnanter Beschreibung des Themas und auch der Benennung der angesprochenen Zielgruppen. Die erste Herausforderung war dann bereits, das Thema knapp, aber gleichzeitig prägnant darzustellen.
3 Vortrag und Präsentation
Abgeschickt hatte ich das Abstract Ende Juli, die Zusage kam Ende Oktober. Hatte ich für Themenfindung und Abstract noch vergleichsweise viel Zeit, waren es jetzt noch etwa fünf Wochen für die Fertigstellung eines Vortrags und einer Präsentation. Zusätzlich musste ich mir Gedanken über die räumlichen Bedingungen und die Technik machen.
Ich tendiere dazu, Vorträge auszuformulieren, das ist aber eine rein individuelle Entscheidung. Stichpunkte sind ebenso ausreichend.
Um die Zuhörerinnen und Zuhörer direkt am Anfang mitzunehmen, erstellte ich mit dem Tool „Mentimeter” (kurz: Menti) eine Umfrage. Die Teilnahme ist so per Code via Smartphone oder PC möglich. Die Frage lautete, ob die Anwesenden glauben, dass irgendwann alle Zeitungen digital zugänglich sein werden (Abb. 1).
Zum Vortragsbeginn baute ich ein anschauliches Beispiel ein: Gibt es in Hamburg bereits ein Zeitungsportal,4 steht man in meiner Heimat Schleswig-Holstein nach wie vor in Räumen voller gebundener Zeitungsexemplare.
Nach diesem Einstieg folgten ein etwas ausführlicherer Problemaufriss und ein kurzer Exkurs über den Idealzustand, wenn also alle historischen Zeitungen in Deutschland digital auswertbar wären. Den Abschluss bildete ein Kapitel mit ersten Ansätzen und einigen Praxisbeispielen, wo Citizen Science bereits bei der Erschließung historischer Quellen angewandt wird, auch bei Zeitungen. Reine Theorie sollte hingegen auf das allernötigste Minimum beschränkt werden.
Daran angepasst war die PowerPoint-Präsentation ebenfalls knapp gehalten und auf ca. 10 inhaltliche Folien beschränkt, gemischt aus Stichpunkten und Bildern. Weder sollte das Publikum mit Text erschlagen noch durch eine übergroße (nutzlose) Bilderschau abgelenkt werden (Abb. 2).
4 Die Tagung
Von den beiden Tagen der vBIB – 3. und 4. Dezember – konnte ich mir arbeitsbedingt nur den zweiten selbst anschauen. Mein Zeitslot war erst am Nachmittag, so sah ich als Zuschauer im Vorfeld einige Vorträge.
Zuvor hatte ich mich dazu entschlossen, den Vortrag von zu Hause zu halten, da im Büro kein einzelner Raum zur Verfügung stand. Für die beste Bild- und Tonauflösung wählte ich den Dienstlaptop und die externe Kamera aus dem Büro. Vor der Tagung machte ich einen technischen Probelauf. Auch der Hintergrund will richtig ausgewählt sein, schließlich bietet man einer großen Zahl an Menschen einen Einblick in die private Wohnung.
Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten schon Erfahrung mit Vorträgen und der routinierten Vorstellung ihrer Projekte. Als ich an der Reihe war, verlief der Start hingegen etwas holprig. Die PowerPoint-Präsentation benötigte auf dem geteilten Bildschirm eine relativ lange Ladezeit. Zwar beteiligten sich fast 30 Personen an meiner Menti-Umfrage, aber durch die Langsamkeit der Technik war der Wechsel von PowerPoint zu Menti und schließlich wieder zurück zur Präsentation recht unpraktisch und kostete vergleichsweise viel Zeit von den ohnehin knappen 20 Minuten. Das machte sich bemerkbar und der Vortrag endete etwas überstürzt. Zu meinen Beispielen kam ich gar nicht mehr. Die Diskussion, für die ich noch etwas Zeit eingeplant und für die ich den Vortrag dann extra so schnell beendet hatte, fiel dann relativ dünn aus.
5 Nach der Tagung
Nach dem Vortrag beginnt wie von selbst die Überlegung, wie gut alles war. Konnte ich meine Punkte ordentlich vermitteln? Was hätte ich besser machen sollen? Wie wurde mein Vortrag aufgenommen? Diese Überlegungen sind völlig normal.
Unmittelbar nach der vBIB erfolgte die Nachbereitung durch die Veranstalter. Per Rundmail wurde darum gebeten, nach Möglichkeit die Präsentationsfolien auf dem beim BIB angesiedelten OPUS-Publikationsserver hochzuladen.5 Wer wollte, konnte außerdem bis zum 31.12.2025 sein Einverständnis zur Veröffentlichung des aufgezeichneten Vortrags auf dem AV-Portal der Technischen Informationsbibliothek (TIB) geben.6 Bei meinen Vortragsfolien habe ich nicht den rechten Mehrwert gesehen, der Publikation des aufgezeichneten Vortrags habe ich hingegen zugestimmt.7 Im Zuge dieser Nachbereitung wurde auch schon auf den Termin der kommenden vBIB hingewiesen, welche am 2. und 3. Dezember 2026 stattfindet, verbunden mit dem Aufruf, im Organisationsteam mitzuwirken.
Auch den ausformulierten Vortrag wollte ich nicht so einfach ungenutzt liegen lassen und habe diesen überarbeitet, erweitert und zu einem Essay ausgebaut.8
6 Reflexion
Haben sich nun meine Erwartungen erfüllt oder eher meine Befürchtungen bewahrheitet? Ohne Zweifel konnte ich noch nicht das nötige Potenzial ausschöpfen, war bei dem Vortrag wohl zu nervös und daher teilweise zu schnell oder habe mich verhaspelt. Hat es die Sichtbarkeit in der Bibliothekswelt erhöht? Wahrscheinlich nicht wirklich, was man von einem kleinen Vortrag auf der vBIB aber auch nicht erwarten kann. Man ist einer unter vielen und viele von den anderen sind deutlich präsenter. Ohnehin ist diese Sichtbarkeit nur allmählich und durch kontinuierliche Schritte zu gewinnen. Und wenn einem das Schreiben und die wissenschaftliche Diskussion Spaß bringen, dann ist das auch ein Grund, dies weiterhin zu tun. Ein Fehler war das Ganze auf jeden Fall nicht. Die Erfahrung kann einem niemand nehmen, und nur daraus wird man bekanntlich klug. Im Wiederholungsfall würde ich das Thema noch weiter eingrenzen und die Praxisbeispiele direkt in den Vordergrund stellen. Im Vorfeld müsste ich ausführlichere Testläufe unternehmen, um Probleme wie die langsame Technik direkt zu erkennen und idealerweise zu beheben. In jedem Fall habe ich Lust, mich weiterhin zu engagieren, und vielleicht reicht es ja irgendwann auch einmal für die BiblioCon selbst.
7 Zehn Lehren für die Zukunft
- Das Thema so konkret wie möglich wählen.
Die behandelte Thematik sollte prägnant und klar abgegrenzt sein, die theoretischen Ausführungen nicht über ein absolut notwendiges Minimum hinausgehen. Wichtig sind der Bezug zur Praxis und die persönliche Verbindung zum Thema, beispielsweise ein Projekt aus dem beruflichen oder auch ehrenamtlichen Kontext.
- Das Abstract kurz und prägnant gestalten.
Das Thema sollte kurz umrissen und die Zielsetzung und die angesprochenen Zielgruppen klar benannt sein. Zu lange Abstracts könnten die eigentlichen Inhalte verwässern.
- Nach der Einreichung sollte man sich in Geduld üben und mit anderen Dingen ablenken.
Die Zeit bis zur Rückmeldung und somit der Entscheidung über Annahme und Ablehnung kann von Wochen bis hin zu wenigen Monaten dauern und lang werden. Die Zeit kann man nutzen, um sich mit anderen Themen zu befassen.
- Die Tagung in der eigenen Zeitplanung berücksichtigen.
Die Bewerbung ergibt nur Sinn, wenn grundsätzlich die Möglichkeit besteht, an der Tagung teilzunehmen. Ebenso muss das Zeitmanagement stimmen. Im Falle einer Zusage gilt es, im verbleibenden Zeitraum sowohl Vortrag als auch Präsentation zu erstellen.
- Den Vortrag auf einer sicheren Grundlage erstellen.
Ob in Stichpunkten oder ausformuliert, bleibt jedem selbst überlassen, die Hauptsache ist, dass der Vortrag sicher gehalten werden kann.
- Die Präsentation kurz und prägnant gestalten.
Je 1–2 Minuten sollte idealerweise nur eine Folie eingebaut sein. Stichpunkte sollten eher knapp und prägnant gehalten werden, Bilder müssen eine Funktion erfüllen und dürfen nicht als Füllmaterial dienen. Eine aktive Einbeziehung des Publikums, beispielsweise durch eine Umfrage, ist sehr zu empfehlen.
- Im Falle einer Online-Tagung vorher Technik und Örtlichkeit prüfen.
Wichtig ist ein Ort mit stabilem WLAN und ohne äußere Störungen. Idealerweise sollte man dort alleine sein. Es empfiehlt sich ein Technik-Check in Bezug auf Mikro, Kamera sowie das Teilen und Abspielen der Präsentation.
- Den Vortrag üben.
2–3 Übungsdurchgänge sind im Vorfeld sehr zu empfehlen, um die Sicherheit in Inhalt und Sprache herzustellen. Das Ziel muss nicht die Perfektion sein, aber ein flüssiger und klarer Redefluss erhöht die Aufmerksamkeit des Publikums.
- Sich nicht direkt mit anderen vergleichen.
Viele der anderen Teilnehmer halten zum wiederholten Mal Vorträge und haben dadurch schon deutlich mehr Routine gesammelt.
- Einfach machen und die Zweifel hintanstellen.
Jeder fängt einmal an. Und man kann nicht viel falsch machen, sofern man sich an ein paar fachlichen und organisatorischen Kriterien orientiert.
Erhalten
Akzeptiert
Veröffentlicht
Ausgabe
Rubrik
Lizenz
Copyright (c) 2026 Fabian Boehlke

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International.

