Bibliotheken im Film - Eine Glosse
DOI:
https://doi.org/10.15460/apimagazin.2026.7.2.281Schlagwörter:
Film, Popkultur, GlosseBegutachtung
Abstract
Bibliotheken sind in Filmen verschiedenster Genres vertreten – ob als verwunschener, dunkler Ort voller geheimnisvoller, alter Bücher im Fantasyfilm, als hoch technologisierte Bibliotheken mit (vermeintlich) allwissenden Computern und holografischen Bibliothekar*innen im Science Fiction oder als Begegnungsort, der für Auseinandersetzungen oder Tanzeinlagen zweckentfremdet wird. Wie gut, dass das alles Fiktion ist!
1 Einleitung
Bücher, die sich von selbst ins Regal bewegen, holografische Bibliothekare, wilde Tanzeinlagen auf Tischen und erstaunlich instabile Regale – In Filmen entwickelt das Treiben in Bibliotheken ein skurriles Eigenleben, das mit dem tatsächlichen Bibliotheksalltag zuweilen wenig zu tun hat.
2 Staubiges Chaos und fliegende Bücher
Hohe, labyrinthartig angeordnete Regale, gefüllt mit Büchern, die aussehen, als würden sie beim Hauch einer Berührung zerfallen, voll mit Jahrtausende altem Wissen – nur zu finden, wenn man – nun ja, zum richtigen Moment in der Bibliothek aufschlägt und nach der Information fragt, die man sucht. Oder aber, wie von Zauberhand, das richtige Buch greift.
Übergroße, uralt aussehende Bücher, die schreien, wenn man sie öffnet, in der verbotenen Abteilung in Harry Potter und der Stein der Weisen (s. Abb. 1) oder an ihren Platz zurückschweben, wenn sich dieser zu weit oben im Regal befindet, wie in Harry Potter und der Halbblutprinz (vgl. Yates 2009). Und in jeder Ecke eines vollgestopften Raumes Bücher, die sich nur so stapeln, überdeckt von Staubschichten, die vermuten lassen, dass seit Jahrhunderten kein Wesen mehr den Raum betreten, geschweige denn geputzt hat, während Gandalf in Der Herr der Ringe: Die Gefährten (vgl. Jackson 2001) bei Kerzenschein uralte Schriftrollen studiert (s. Abb. 2). Natürlich ist es geheimnisvoll dunkel, obwohl fehlendes Licht im restlichen Umfeld des Films nicht zwangsläufig eine Problematik ist.
Beim Anblick der alten feuchten Räume, in denen die wichtigen Bücher, die das geheimste Wissen beinhalten, in wildem Chaos durcheinander aus allen Ecken quellen, würde ein*e jede*r Bibliothekar*in verzweifeln. Absolut schlechte Lagerung, ganz und gar nicht das, was Bücher voll mit der Weisheit der Welt brauchen, um die Zeit zu überdauern! Ganz abzusehen von den fehlenden Signaturen, aber dafür gibt es ja zum Glück Zauberei.
2 Menschenleere Hallen und bücherlose Regale
Es geht ähnlich frustrierend weiter. Jedoch in gegenteiliger Ästhetik: Kühle, elektronisch leuchtende, deckenhohe Regale in übergroßen Hallen - von Büchern jedoch keine Spur. Warum dann so hohe Regale? Anscheinend herrscht auch in der Zukunft noch eine gewisse Nostalgie für alte Zeiten. Dies ist das Setting in Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger (s. Abb. 3).
In The Time Machine (vgl. Wells 2002) ist eine Bibliothek vorzufinden, die zwar zunächst vielversprechend normal aussieht – wenngleich sie erstaunlich viel Raum für äußerst wenig Mobiliar bereitstellt. Bei genauerem Hinschauen sind selbst die wenigen vorhandenen Bücher nur als Ausstellungsstücke in Vitrinen zu finden. Und der Bibliothekar ist ein Hologramm, welcher alles menschliche Wissen in sich vereint (s. Abb. 4) – und dennoch keine zufriedenstellende Antwort geben kann (vgl. ebd.). Dennoch gibt es einen kleinen Lichtblick: Vielleicht wird unser zukünftiger Job doch nicht von KI übernommen, die scheint nämlich selbst im Film nicht so richtig zu funktionieren.
4 Fragwürdige Architektur und zweckentfremdete Bücher
Eine Bibliothekarin, so weit oben auf einer Bücherleiter, dass sie das Gleichgewicht verliert und somit die verblüffend kreisförmig aufgestellten Regale dominoartig zu Fall bringt (s. Abb. 4), begegnet uns in Die Mumie (vgl. Sommers 1999). Diese Szene wirft Fragen auf: Sind die Bücherregale so hoch, dass sie mit einer Leiter erklommen werden müssen, sollten diese dann nicht so fest verankert sein, dass sie einer Person auf einer Leiter Stand halten? Wo waren die Statiker*innen als diese architektonische Entscheidung getroffen wurde? Dominoeffektartig umfallende Bücherregale begegnen uns auch in Faustrecht – Terror in der Highschool, wo jedoch nicht einmal die Hebelkraft der Leiter, sondern lediglich eine körperliche Auseinandersetzung zweier Footballspieler zum Fall der Regale führt (vgl. Joanou 1987).
Wo wir gerade über körperliche Auseinandersetzungen sprechen: In John Wick: Kapitel 3 findet ebenfalls ein Zweikampf statt. Hier sind die Regale wesentlich standhafter, nichts wackelt. Chapeau! Schade nur um das Buch, welches, nachdem es als Waffe zweckentfremdet wurde, blutverschmiert ins Regal zurückgestellt wird (vgl. Stahelski 2019). Weniger blutrünstig doch für die Bücher ebenso makaber geht es in Wicked (vgl. Chu 2024) daher: In der Verfilmung des Musicals werden die Bücher bei einer Tanzeinlage in der Bibliothek (inklusive sich turbinenartig drehender Regale, deren Praktikabilität mehr als fraglich erscheint) buchstäblich mit Füßen getreten (vgl. ebd.). Ein regelrechter Albtraum für die bemitleidenswerten Bibliotheksmitarbeitenden, die das in den oben beschriebenen Szenen entstandene Chaos wieder aufräumen müssten!
5 Fazit
Herbe Enttäuschung: Bücher fliegen nicht. Es ist tragisch festzustellen, doch in einer realen Bibliothek fliegen die Bücher keineswegs wie in Harry Potter aus den Händen ins Regal zurück. Vielmehr ist es ein durchaus schwieriges Unterfangen, an die oberen Buchreihen zu kommen - auch wenn die Regale nicht halb so hoch sind wie im Film. Statt auf einer hölzernen Leiter balanciert es sich auf einem Plastikhocker, der frappierenderweise Rollen besitzt, jedoch fast ebenso abenteuerlich! Glücklicherweise fallen auch die Regale dabei nicht allzu schnell um - ein Dominoeffekt bleibt aus, wir können erleichtert aufatmen. Ob es zukünftig eine*n KI-Bibliothekar*in oder einen allwissenden Computer im Arbeitsalltag gibt, wird die entferntere Zukunft zeigen – der Bibliothekskatalog macht bisher jedenfalls keine Anstalten, uns den zukünftigen Job streitig zu machen.
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