Zwischen Realität und Virtualität – Memet_innen im Schwebezustand des Doing Meme
DOI:
https://doi.org/10.15460/kommges.2018.19.2.592Schlagwörter:
Internet, Realität, Medienkultur, Virtualisierung, Akteur, Anpassung, soziale Wirklichkeit, Interaktion, LebensweltRedaktion und Begutachtung
Abstract
Wer „Meme“ sagt, denkt an weltberühmte Bilder oder Videos, an Katzen mit Toast am Kopf oder „Lolcat“-Bilder von süßen und orthographisch ungeschickten Katzen,an „be like Bill“, an „Dennis after Dentist“. Es besteht die Annahme Memes seien kommunikative Mittel des Internets und im Wesentlichen kommunikative Mittel sozialer Medien. Der Artikel geht versuchsweise und vereinfachend von zwei Ebenen in Bezug auf Memes aus. Die eine Ebene wird als Realität des Memes bezeichnet und beschreibt den Schaffensprozess einer Ausformung eines Memes. Die zweite Ebene ist die „Virtualität des Memes“ und meint den digitalen Zusammenhang in Netzwerkmedien. Der Artikel analysiert wie Möglichkeiten von Memes durch die Verknüpfung von Virtualität und Realität einen Schwebezustand zwischen den Welten einzunehmen, um so die „große, weite Welt“ handhabbar zu machen, während die eigene Wirklichkeit transformiert wird, entfalten sie ihre ansteckende Wirkung, die sie so besonders auszeichnet.
1 Meme, Memet_innen und Doing Meme
Zumindest in der popkulturellen Bedeutung und dem alltäglichen Sprachgebrauch hat sich das Meme (aus dem Internet) von seinem ursprünglichen Zusammenhang, dem Meme (als kulturellem Gegenstück der biologischen Gen-Einheit), deutlich entfernt. Wer „Meme“ sagt, denkt an weltberühmte Bilder oder Videos, an Katzen mit Toast am Kopf oder „Lolcat“-Bilder von süßen und orthographisch ungeschickten Katzen, an ein Baby, das seine kleine Faust ballend „success!“ vermittelt, an „be like Bill“, an „Dennis after Dentist“ oder eine der anderen durch das Internet kursierenden kurzen kommunikativen Kommentare. Ohne die Diversität und Heterogenität von Memes anzuzweifeln oder die Bedeutung der humorvollen, treffenden oder auch verstörenden Einfälle zu vernachlässigen und trotz des sozialen Akt des Teilens, durch den Memes zu dem werden, was sie sind, haftet dieser Form der Kommunikation das Klischee internetaffiner, realitätsferner „Nerdigkeit“ an. Verstärkt wird das durch den Eindruck, Memes seien kommunikative Mittel des Internets und im Wesentlichen kommunikative Mittel sozialer Medien, was nicht zuletzt eine Konzentration der wissenschaftlichen Beschäftigung auf diesen Bereich unterstützt (u.a. Davison 2012; Bauckhage 2011; Milner 2013; Chen 2012; Varis 2015).
Diese Engführung auf digitales Handeln vernachlässigt Aspekte der Meme-Tätigkeit, die nicht digital ablaufen. Immerhin müssen Katzenvideos lokal mit Katzen gedreht oder „Lolcat“-Bilder erst geschossen und witzige Texte erdacht werden, bevor sie online die weltweite Community der Katzenmemes erweitern. Selbst im Fall bereits existierender Bilder wie dem „Success-Kid“ ist es notwendig neue Textelemente zu kreieren. Das legt nahe, versuchsweise und vereinfachend von zwei Ebenen in Bezug auf Memes auszugehen. Die eine Ebene möchte ich als Realität des Memes bezeichnen. Darunter verstehe ich den Schaffensprozess einer Ausformung eines Memes. Die zweite Ebene nenne ich „Virtualität des Memes“ und meine damit den digitalen Zusammenhang in Netzwerkmedien, in den die einzelne Ausformung ein- und dabei als kulturelles und auch technologisches Potential (Winter/Dürrenberg 2011) aufgeht.
Virtualität des Memes beschreibt also für mich einen vernetzenden Möglichkeitsraum, der durch die Verbindung zwischen den einzelnen Memes entsteht. „Realität des Memes“ will hingegen den jeweils vereinzelten, konkreten Produktionsprozess fassen. Die Charakteristik des praktischen Tuns der Memet_innen (Meme schaffende Akteur_innen) zwischen dem Konkreten (der Realität des Memes) und dem Potentiellen (der Virtualität des Memes) versuche ich als Schwebezustand zu beschreiben. Die Trennung ist natürlich eine künstliche. Ich möchte nicht versuchen, eine Opposition zwischen Realität und Virtualität zu behaupten. Vielmehr verknüpfe ich Realität und Virtualität zu ineinanderlaufenden Ausprägungen einer Praxis des Doing Meme. Bezug nehme ich dafür auf die Einsicht eines Realität-Virtualitäts-Kontinuums, das eine Vielzahl möglicher „Mixed Realities“ zulässt (Milgram et al. 1994: 282). Ein Kontinuum zwischen Realität und Virtualität deutet die Möglichkeit eines erweiterten sowohl Handlungs- als auch Wahrnehmungsraums der Memet_innen an, die sich der unterschiedlichen Ebenen in differenzierter Weise bedienen können.
2 Praxis, Adaption und Hyperrealität
Die Praktiken, die sich rund um Memes drehen, fasse ich mit „Doing Meme“ zusammen. Darunter verstehe ich vorrangig Anschlusspraktiken an bereits existierende Inhalte. Allgemein ist „Praxis“ einer der zentralen Begriffe, geht es um die Betrachtung von Akteur_innen als handlungskompetente Subjekte (Schatzki 1996), die auf routinisierte Weise mit ihrer Umwelt interagieren (Reckwitz 2016). Der adaptiv auf „Doing Gender“ (West/Zimmerman 1987) referierende Begriff Doing Meme hilft dabei, diese Aspekte für das spezifische Phänomen bündeln. Jenem berühmten Konzept der Geschlechterforschung geht es in erster Linie darum, das Eingebettetsein dieser reproduktiven Praxis in alltäglichen Situationen aufzuzeigen. Dem Doing Meme liegt eine ähnliche Vorstellung der Normalität der Memes zugrunde. Mein Text setzt deshalb auch nicht an den Ursprüngen von Memes, sondern bei den Memet_innen selbst an, die einen Inhalt nachahmen und damit zum Meme beitragen. Memet_innen sind Akteur_innen, die Doing Meme praktisch in ihren Alltag integrieren.
Um Memet_innen und ihrem Doing Meme näher zu kommen, dienen mir die Konzepte der Adaption (Hutcheon 2013) sowie der Hyperrealisierung in Anlehnung an Baudrillards Hyperrealität (z. B. 1982) als theoretischer Rahmen. Unter Adaption verstehe ich die Praxis der Anpassung von Inhalten an die eigene Lebenswirklichkeit. Während aber Adaption mit Hutcheon sowohl als Prozess wie auch als Produkt verstanden wird, ist für mich vorrangig der Aspekt des Prozesshaften von Interesse, also der Vorgang des Anpassens eines Inhalts. Das liegt am Fokus des Doing Meme auf dem Akt der Produktion.
„Hyperrealisierung“ hingegen basiert auf Baudrillards bekanntem Konzept der Hyperrealität. Mit diesem versuche ich, eine prozessorientierte Perspektive auf den Hyperrealitätsbegriff einzunehmen und das Einfließen von virtuellen Inhalten in die Lebenswelt der Memet_innen zu beschreiben. Hyperrealität ist für Baudrillard die „exakte[n] Verdoppelung des Realen auf der Grundlage eines anderen Mediums” (1982: 13) – in meinem Fall zwei Beobachtungen, die auf YouTube-Videos basieren. Bei Baudrillard häufig negativ konnotiert geht vom Hyperrealen zugleich eine besondere Faszination aus, die dessen „Zuviel an Realität“ (Baudrillard 2012: 37) entspringt. Baudrillards Begriff hat den Anspruch, die Realität durch die Hyperrealität zu ersetzen. Damit gleicht das Konzept einer Glocke über der Wirklichkeit, wodurch Agieren außerhalb des Hyperrealen unmöglich wird. Prozesshaft als Hyperrealisierung gedacht kann Hyperrealität aber als etwas Situatives und Lokalisierbares betrachtet werden – vielleicht sogar als eine spezifische Qualität von bestimmten Handlungen, die beabsichtigt gesetzt werden, um einen solchen Prozess in Gang zu setzen.
Mit diesen Begriffen beschreibe ich das Verhältnis von Realität und Virtualität näher. Mich interessiert, welchen Einfluss die Adaption des Memes oder bestimmter Momente eines solchen auf die Wirklichkeit der Memet_innen hat. Alltagsadaptionen von Memes könnten eine originelle, kreative Hyperrealisierung der Interaktionen und der Lebenswelt von Adaptierenden zur Folge haben und das angeeignete Material mag zu dieser Transformation der individuellen Situation beitragen. Dafür scheint mir die Verbindung von Adaption und Hyperrealisierung sowie die Verschränkung von Realität und Virtualität wesentlich zu sein. In ihr sehe ich einen möglichen Ansatz der spezifischen Originalität und Viralität von Memes. Die Verbindung von Adaption und Hyperrealisierung öffnet einen Blick auf das Doing Meme und die Lebenswelt der Memet_innen, wo Realität und Virtualität in einem Schwebezustand miteinander verwoben sind. Diesen Zustand möchte ich anhand zweier Beobachtungen zu einem filmischen Meme genauer beschreiben.
3 Beobachtungen
Zwei Situationen aus meinem Alltag – aber für mich keine alltäglichen Situationen – bilden die Grundlage meiner Überlegungen. Für mich wurden dabei aus den Situationen, denen ich zufällig beiwohnte, Beobachtungen. Sie bekamen eine Relevanz, die sie vom kontinuierlichen Handlungsfluss um mich herum unterschieden. Als Zaungast folgte ich dem Geschehen, das sich jedoch keinesfalls verdeckt oder an einem versteckten Ort, sondern in der Öffentlichkeit ereignete. Während die erste Situation zunächst für mich allein anekdotischen Charakter hatte, mich das Gesehene aber wunderte und zum Nachdenken anregte, war die zweite Situation von einem „Aha“-Moment gekennzeichnet, der auch auf die erste ein veränderndes Licht warf.
Die erste Beobachtung machte ich an der Haltestelle der Straßenbahnlinie 18. Sie hält beim Shopping-Center „Rhein-Ruhr-Zentrum“ direkt zwischen den Fahrbahnen der A40, die als Demarkationslinie des Ruhrgebietes zwischen „arm“ (nördlich) und „reich“ (südlich) angesehen wird. Hier hören und sehen Wartende die rasenden Autos. Für gewöhnlich versuchen sie deshalb die Wahrnehmung ihres Aufenthalts zu verkürzen, kommen erst im letzten Moment aus dem Schall gedämpften Wartehäuschen, hören Musik oder blicken zu Boden. Während auch ich mich von den bedrängenden Umständen der Wirklichkeit deprimieren ließ, agierte eine Gruppe Jugendlicher auf erfrischende und wunderliche Art:
Zunächst fiel mir ein junges Mädchen auf, das mit seiner Handy-Kamera zu filmen schien, denn sie hatte das Gerät auf ein weiteres Mädchen wenige Meter rechts von ihr gerichtet. Dieses begann plötzlich zu rennen, rannte an der Kamerafrau vorbei, die sich, der Laufenden mit der Kamera folgend, entlang der eigenen Achse nach links drehte. Von dort war schon ein drittes Mädchen mitten in vollem Lauf. Beide Mädchen rasten aufeinander zu, eines hob ab und schlang seinen Körper lianengleich um den des anderen. Dabei umklammerte das eine das andere Mädchen mit den Armen am Hals und mit den Beinen an der Hüfte. Auch das andere Mädchen schlang seine Arme um den Oberkörper der Klammernden, blieb aber ansonsten zunächst mit beiden Beinen am Boden. Eng umschlungen drehten sie sich ein paar Mal im Kreis, lachten laut, kreischten fast, waren freudig und lustig. Nach zwei oder drei Drehungen fielen sie gemeinsam zu Boden, kugelten ineinander verkeilt auf den staubigen Fliesen des Bahnsteiges, lachten weiter, schienen vor lauter Glück zu heulen, ließen aber unvermittelt voneinander ab, standen auf, strichen ihre Kleidung glatt und sprangen zur Filmenden. Gemeinsam betrachteten sie ihr Video, tauschten Unhörbares aus und stellten sich erneut in die oben beschriebene Ausgangsposition. Es folgte eine Kopie des Beschriebenen, zumindest fielen mir keine wesentlichen Unterschiede auf. Auch die Kamerafrau handelte wie zuvor, folgte mit der Kamera dem Mädchen von rechts, bis es auf das Mädchen von links prallte. Ein drittes Mal wurde die Szene identisch gefilmt, worauf sich die Mädchen wiederum nicht hörbar im Trubel der Autobahn intensiver besprachen. Als sie sich zum nächsten Take aufstellten, hatten sie ihre filmische Strategie und auch die Kamerafrau gewechselt. Übernommen wurde die Aufgabe nun von jenem Mädchen, das zuvor auf ihre Freundin gesprungen war. Direkt neben die ehemalige Kamerafrau stellte sich nun die neue, und als sie anfing zu laufen, lief das Mädchen mit der Kamera nebenher, immer etwa einen Schritt hinter der Darstellerin. Kurz bevor die beiden laufenden Mädchen aufeinandertrafen – dieses wesentliche Element blieb gleich – scherte die Kamerafrau aus, wurde schneller, vollführte einen sanften Bogen und eine Hüftdrehung. Dabei nahm sie ihr Tempo abrupt zurück und stand frontal vor den beiden Mädchen, als diese wiederum sich kreischend-kreisend ineinander verkeilten und später am Boden wälzten. Ein letztes Mal noch konnten die Mädchen die Szene auf diese Art wiederholen, dann kam die Straßenbahn und ich stieg ein.
Wenige Wochen später befand ich mich auf dem aufwendig hergerichteten Hauptplatz von Delft und damit an einem Ort, der von eben beschriebenem nicht verschiedener sein könnte. Autofahren verboten, flanierende Fußgänger, an einem Kopfende das vollendete Renaissance-Rathaus, am anderen die spitz aufragende, beeindruckende Nieuwe Kerk, die zweithöchste Kirche der Niederlande. Wunderschöne Backsteinhäuschen links und rechts, in den Erdgeschossen schicke Läden und vor ihnen Kaffeehaustische.
Mitten vor einem Ausfallsweg des Platzes standen wiederum drei Mädchen, dieses Mal von meiner Position inmitten des Platzes als Dreieckskonstruktion sichtbar. Zentral und mit Blick auf die feinen Bürgerhäuser (im Bild in meinem Rücken) fixierte ein Mädchen mit Handykamera den Ausschnitt, links und rechts von ihr machten die beiden anderen aufwärmende Bewegungen, schüttelten ihr Arme und Beine. Auf eine Ansage hin rannten sie los, trafen sich in ihrer Mitte und genau vor der Kamerafrau. Eins der Mädchen machte zaghafte Versuche eines Absprungs, der Sprung selbst aber scheiterte. Sie umarmten sich kurz, lachten und ließen voneinander ab. Ihr zweiter Versuch verlief ähnlich. Nach einer Besprechung wurde ein Rollentausch vorgenommen. Eins der laufenden Mädchen filmte nun, was jedoch nichts an den Schwierigkeiten änderte, abzuspringen und sich klammernd um den Hals zu fallen. Noch unsicher in den neuen Rollen schienen die Mädchen angespannt. Unklar war ihnen, wann das Kommando zum Loslaufen komme sollte. Die Laufenden zappelten, die Filmende hielt die Hand wie zum Anzeigen des Starts nach oben gestreckt. Anstatt sie zum Startschuss zu senken, spielte sie aber mit ihrem Haar. Plötzlich liefen die Mädchen los, fielen kurz ineinander, ließen lachend voneinander ab. Erneut schien das, was sie vorhatten, nicht geklappt zu haben, an einer wesentlichen Stelle gescheitert zu sein.
Schon bei ihrem ersten Versuch war es mir wie Schuppen von den Augen gefallen: sie versuchten dasselbe zu machen wie die Mädchen beim Rhein-Ruhr-Zentrum. Zwar waren Kleinigkeiten unterschiedlich, doch wesentliche Elemente ähnlich. Offensichtlich hatte das, was ich gesehen hatte, mit Nachahmung zu tun. Nicht klar war mir aber, wer hier wen nachahmte. Von den zwei Mädchengruppen anzunehmen, sie würden sich kennen, schien trotz ihres ähnlichen Alters unwahrscheinlich. Ich vermutete also ein Phänomen aus einem größeren Zusammenhang, der erlaubte, dass selbst Menschen, die voneinander nichts wissen, sehr ähnliches tun.
An der ersten Beobachtung aus dem Rhein-Ruhr-Zentrum hatte ich bemerkt, wie moderne Kommunikationsmedien eingesetzt werden und zu einem kreativen Umgang mit der eigenen Wirklichkeit beitragen. Mir fiel der unaufgeregte Einsatz technischer Werkzeuge im gemeinsamen Spielen auf und die scheinbare Alltäglichkeit, mit der diese integriert wurden. Überrascht war ich von dem gemeinsamen Handeln über das eine technische Werkzeug. Nicht selten wird der Eindruck vermittelt, Geräte wie Smartphones würden zwischenmenschliche Beziehungen blockieren oder erschweren. Gerade in öffentlichen Verkehrsmitteln wird das oft so wahrgenommen. Das soziale Handeln mit Hilfe eines Handys bemerkte ich als erfrischende Abwechslung. Besonders stark fiel mir aber die Veränderung meiner eigenen Wahrnehmung des Raums durch das Handeln der Schaffenden auf. Ihr Tun machte etwas mit dem Raum, das auch auf mich Einfluss ausübte, worüber ich mehr erfahren wollte. Der Aspekt der Raumveränderung war sicherlich in der ersten Beobachtung stärker als in der zweiten, wo dafür aber die Beobachtung der Ähnlichkeit im Spielen bzw. im sozialen Handeln auftauchte. Das Handeln war zu spezifisch, um generellen, tradierten Formen des Spiels zu entsprechen. Immerhin wurden jeweils Filme gedreht. Andererseits war aber die Ähnlichkeit zwischen den beiden für sich ziemlich ungewöhnlichen Situationen ausreichend, um für mich die Frage aufzuwerfen, was denn diese Mädchen da genau taten.
Womöglich hätte ich an einen Kurzfilmwettbewerb der EU oder die Reproduktion einer beliebten Szene aus einer Serie wie Hannah Montana denken können. Ich war aber überzeugt, die Nachahmung eines Memes beobachtet zu haben. Trotz oder gerade mit dieser Einsicht tauchte aber erst so richtig die Frage auf: Was machen die Mädchen eigentlich da? Nach kurzer Recherche und wenigen ungeschickten Sucheingaben fand ich das Meme „Meeting my best (internet) friend (for the first time)“ variantenreich auf YouTube.
4 „Meeting my best (internet) friend (for the first time)“
Auf YouTube finden sich zahlreiche Aufnahmen von Mädchen, die aufeinander zulaufen, sich in die Arme fallen und schließlich kugelnd auf dem Boden liegen. Die Suchanfrage nach „Meeting my best friend“ liefert über 31 Millionen Ergebnisse. Mit zahlreichen kleinen Variationen zeigen sehr viele der Videos den beschriebenen szenischen Ablauf. „Meeting my Internet Best Friend“ heißt eines der Videos. Es hat seit seiner Veröffentlichung am 22.12.2015 beinahe 3,3 Millionen Aufrufe verzeichnet und ist damit eines der erfolgreichsten Videos dieses Memes.
Das Video beginnt mit einer kurzen Fotoserie, die in die Narration einführt. Zunächst zeigt eine kurze Einblendung eines Twitter-Chats den ersten Kontakt zwischen Cecilia, aus deren Perspektive das Video erzählt, und Maddi, ihrer besten Freundin. Im zweiten Bild formen jeweils zu einer Herzhälfte gekrümmte Zeigefinger und Daumen zusammen ein Herz. Eingeblendet darunter der zu lösende Konflikt: „One day. We will break the distance.“ Ein Screenshot zeigt die Chat-Entwicklung auf seinem Höhepunkt mit abwechselnden Meldungen des innigen Wunsches nach einem baldigen Treffen: „i wanna touch your face and hug you forever“ als zentrale Aussage des Ausschnitts. Das letzte Bild zeigt einen Briefumschlag, auf dem von einem Doodle geschmückt die Distanz zwischen den beiden mit „833 miles apart“ angegeben wird. In der nächsten Einstellung spricht Cecilia – sich selbst filmend – lange über ihre Freundschaft. Unterbrochen von Chat-Screenshots und Selfies mit Bildinschriften erfahren wir, dass es zu einem Treffen kommen wird. Nach weiteren Videoaufnahmen von Cecilia beginnt die Reise, wobei die Reise selbst allein über einen Screenshot von Google Maps visualisiert wird. Es geht von einer Kleinstadt in Florida nach Columbus in Ohio. Wir sehen eine kurze Aufnahme in einem Auto, dann sehen wir Maddi – und also zum ersten Mal die beste Freundin – durch den Vorgarten in Ohio zur Wohnungstür von Cecilia schleichen. Offenbar handelt es sich, zumindest was den Zeitpunkt des Treffens betrifft, um eine Überraschung. Sie läutet und wartet gespannt auf das Öffnen der Tür. Unvermittelt rast Cecilia aus der Tür, sie fallen einander in die Arme und stehen umarmt etwa eine Minute lang im Bild.