Bibliotheken als Dritter Ort in Dänemark

Vom Bibliotheksgarten bis zum Buchclub

  • Maybrit Geest Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Deutschland
    Studierende im 5. Semester des Bachelorstudiengangs Bibliotheks- und Informationsmanagement
  • Ecaterina Ciochina Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Deutschland
    Studierende im 5. Semester des Bachelorstudiengangs Bibliotheks- und Informationsmanagement

DOI:

https://doi.org/10.15460/apimagazin.2026.7.1.279

Schlagworte:

Dritter Ort, Dänemark, Dokk1, Kopenhagen, Aarhus, Helsingør, Kulturværftet, Black Diamond

Begutachtung

  • Fraucke Kneip Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
  • Adrianna Winnicka Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Abstract

Im Beitrag werden vier Bibliotheken in Dänemark vorgestellt, die das Konzept des Dritten Orts umsetzten. Die Bibliothek Dokk1 in Aarhus, die Kulturværftet in Helsingør, der Black Diamond in Kopenhagen und die Aarhus University Library. Die Bibliotheken zeichnen sich durch besondere Aufenthaltsqualität und verlängerte Öffnungszeiten aus. Die Highlights der einzelnen Bibliotheken werden aufgezeigt und ihre Eigenschaften als Dritte Orte beleuchtet.

1 Einleitung

Der vorliegende Beitrag untersucht, wie das Konzept des sogenannten Dritten Ortes in den dänischen Bibliotheken umgesetzt wird. Der Begriff des Dritten Ortes geht auf den Soziologen Ray Oldenburg zurück und beschreibt Orte jenseits von dem Zuhause und dem Arbeitsplatz, die offen zugänglich sind und soziale Interaktion fördern (Oldenburg 1999: 16f). Bibliotheken übernehmen in dieser Hinsicht eine wichtige gesellschaftliche Rolle, indem sie als neutrale und offene Treffpunkte für ihre Nutzer*innen fungieren. Sie fördern soziale Interaktionen und bieten lebendige Erlebnisräume, die allen Menschen offenstehen. Auf diese Weise entwickeln sie sich zu Orten, die sowohl individuelles Lernen als auch gemeinschaftliche Aktivitäten ermöglichen und damit den Kriterien eines Dritten Ortes entsprechen (Pirsich 2015: 430). In Dänemark zeigt sich dies unter anderem darin, dass viele Bibliotheken an allen Tagen der Woche und teilweise bis in die Nacht geöffnet sind (Knauer 2016: 122f). Die meisten Einrichtungen verfolgen dabei das Konzept der Open Library. Das bedeutet, dass sie erweiterte Öffnungszeiten haben, in denen die Bibliothek auch ohne Personal erreichbar ist. Dieses Konzept ermöglicht Sonntagsöffnungen. In Dänemark gibt es bereits seit 2004 Open Libraries.1

Um die Dritten Orte zu erreichen ist heute kein physischer Bibliotheksausweis mehr nötig. In Dänemark hat fast jede*r Einwohnende eine digitale Identität (MitID). Durch diese ID erhält man eine Bibliothekskarte und damit kostenlosen Zugang zu Bibliotheken. Mit dieser (digitalen) Karte kann man dann alle öffentlichen und staatlich geförderten Bibliotheken in Dänemark nutzen. Außerdem ist es Bibliotheksnutzenden hiermit möglich Material und Medien zu bestellen und sich in eine beliebige dänische Bibliothek zur Abholung liefern zu lassen (Larsen 2024: 718–719). Die ID nutzt man in einer App und erhält damit eine Authentifizierungsfunktion, um im Internet z.B. Onlinebanking zu nutzen, oder als Login für öffentliche Portale von dänischen Behörden. Die App lässt sich aktvieren durch einen Personalausweis mit Chip und in Servicebüros für Bürger*innenbelange z.B. in Bibliothekshäusern.2

Die Auswahl der vorgestellten Bibliotheken basiert im Wesentlichen auf folgenden Kriterien: ein breites Veranstaltungsangebot, lange Öffnungszeiten und eine hohe Aufenthaltsqualität. Diese Kriterien sollen aufzeigen, was Dritte Orte in Dänemark ausmacht. Dabei werden sowohl öffentliche als auch wissenschaftliche Bibliotheken berücksichtigt, um die Vielfalt der dänischen Bibliothekslandschaft sichtbar zu machen.

2 Die multifunktionale Bibliothek Dokk1

In der zweitgrößten Stadt Dänemarks, Aarhus, befindet sich die Bibliothek Dokk1. Sie ist die größte Bibliothek der Stadt und fungiert als zentraler Treffpunkt. Insgesamt gibt es in Aarhus 18 Bibliotheken, die über die Stadt verteilt sind.3

Das Dokk1 wurde 2015 fertiggestellt und erhielt unter anderem 2017 einen International Design Award (IDA) (Lammhults Biblioteksdesign A/S 2018,). Das Gebäude umfasst rund 33.600 m² und beherbergt neben der Zentralbibliothek auch den Bürger*innen Service, sowie das Stadtarchiv Aarhus und ein eigenes Café (Schmidt Hammer Lassen 2025). Es liegt direkt an der Uferpromenade und bietet durch seine Glasfassade einen Rundumblick auf die Umgebung. Um das Gebäude herum befinden sich großzügige Spielflächen für Familien mit Kindern (Oestergaard 2025: 92–94).

Das Dokk1 in Aarhus mit großer, moderner Glasfassade, im Hintergrund der Hafen mit Wasser und Hochhäuser.

Abb. 1 Das Dokk1 im Hafengebiet (Geest:2024)4

Das Dokk1 verzeichnet jährlich etwa 1,2 Millionen Besuchende und bietet rund 140 Veranstaltungen und Aktivitäten pro Monat an. Etwa 60 % dieser Angebote entstehen durch Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern. Insgesamt bestehen ungefähr 130 Partnerschaften mit lokalen Initiativen, Schulen und Vereinen, die die Räume der Bibliothek regelmäßig auch für eigene Veranstaltungen nutzen (Graf 2018).

Die Bibliothek verfolgt das Ziel, nicht nur ein Ort der Medienausleihe zu sein, sondern ein lebendiger Treffpunkt, der Raum für Austausch bietet. Dabei orientieren sich die Bibliotheken an den Bedürfnissen und Wünschen der Besuchenden von Dokk1 (Strauss 2015).

Zu den Einrichtungen gehören zahlreiche Arbeitsbereiche, Lernorte und Gruppenarbeitsplätze, die sowohl von Studierenden als auch von anderen Arbeitsgruppen genutzt werden. Im Zentrum der Bibliothek befindet sich die offene Werkstatt „Idélab”5, in dem Bürger*innen eigene Workshops gemeinsam starten, kreativ arbeiten oder gemeinsam Ideen entwickeln können. Zusätzlich gibt es den Makerspace-Bereich „Gellerup”6, in dem Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Geräten wie 3D-Druckern, Laserschneidern oder Stickmaschinen experimentieren können.

Das Dokk1 ist bewusst als multifunktionaler Raum konzipiert und bietet viele kulturelle und kreative Veranstaltungen sowie Angebote, die das tägliche Leben unterstützen. Dazu zählen Vorträge, Ausstellungen, Informationsveranstaltungen und gemeinschaftliche Aktivitäten wie Leseclubs für alle Altersgruppen. Ziel ist es, einen offenen zugänglichen Ort für Nutzende zu schaffen, unabhängig von Alter, Herkunft oder sozialem Hintergrund (Strauss 2015).

Die Bibliothek nutzt ihre Räume, um gesellschaftlich relevante Themen sichtbar zu machen. Dazu gehören zum Beispiel eine Kampagne und eine Ausstellung gegen Gewalt an Frauen, die im November 2025 stattgefunden hat. Die Bibliothek stellt dazu Bücher und andere Medien aus, die über dieses Thema informieren, und eine Gedenktafel für die Frauen, die durch Gewalt ums Leben gekommen sind.

Damit sollen diese Frauen gewürdigt und zugleich die Besuchenden der Bibliothek auf das Thema aufmerksam gemacht werden.7

Ein weiteres besonderes Merkmal ist auch, dass die Bibliothek täglich geöffnet ist. An den Wochentagen können die Bürger*innen die Räume von 8 bis 21 Uhr nutzen, wobei das Bibliothekspersonal von 10 bis 19 Uhr zur Verfügung steht. Am Wochenende ist die Bibliothek jeweils von 10 bis 16 geöffnet.8 Dadurch können Besuchende auch am Samstag und Sonntag einen Besuch in der Bibliothek einplanen. Wer eine Führung durch das Gebäude oder Unterstützung bei der Recherche benötigt, kann online einen Termin mit einem Bibliothekmitarbeitenden buchen. Diese zeigen die Bibliothek, erklären das Bibliothekssystem und helfen bei der Suche nach Materialien.9

Das Veranstaltungsangebot der Dokk1 Bibliothek ist vielfältig und richtet sich an unterschiedliche Zielgruppen. Es umfasst beispielweise kreative Aktivitäten, wie das gemeinsame Basteln kleiner Weihnachtselfen.10 Ebenso bietet die Bibliothek offene geplante Treffpunkte für zum Beispiel Schüler*innen die Schwierigkeiten in Mathematik haben, und vor Ort von mathematischen versierten Personen bei Matheproblemen unterstützt werden. Auch für Studierende gibt es beispielweise einen offenen Treffpunkt im Bibliotheks-Café, dort können sie sich über ihre Aufgaben austauschen und bei Bedarf sich gegenseitig unterstützen.11

Auf der Webseite der Bibliothek werden alle Veranstaltungen und Angebote ausführlich vorgestellt. Interessierte können sich dort über die angebotenen Aktivitäten erkundigen. Viele Angebote sind dabei kostenlos und sind ohne eine vorherige Anmeldung zugänglich. Bei manchen Aktivitäten ist jedoch eine vorherige Registrierung erforderlich und einige wenige Veranstaltungen sind kostenpflichtig..

3 Die Kulturværftet in der Hamlet-Stadt

Das Kulturværftet in Helsingør mit moderner Glasfassade am Hafen, davor ein Kai mit Wasser und ein historisches Schiff.

Abb. 2 Die Kulturværftet Helsingør (Orf3us:2016)13

Die Hansestadt Helsingør beherbergt nicht nur das bekannte Schloss Kronborg, das als Schloss Elsinore aus Shakespeares Werk Hamlet weltberühmt ist, sondern auch die Kulturværftet Helsingør (Britannica Editors 2019). Das moderne Kulturzentrum wurde 2010 eröffnet, um die Hafengegend der Stadt zu beleben. Das Gebäude erstreckt sich über rund 13.000 Quadratmeter und zieht jährlich mehr als 700.000 Besuchende an. Es liegt an der Uferpromenade von Helsingør und ist nah am Schloss Kronborg. Das Kulturværftet ist ein beliebter Treffpunkt der Bürger*innen der Stadt und bietet viele verschiedene Veranstaltungen an.14

In der Kulturværftet befindet sich auch eine eigene Bibliothek, die zu den am häufigsten genutzten Bibliotheken Dänemarks gehört (AART 2025). Sie hat täglich mehr als 1000 Besuchende. Viele kommen nicht nur, um Medien auszuleihen, sondern auch um die Bibliothek und die Kulturværftet zu erleben.

Die Bibliothek ist dabei ebenfalls an allen sieben Tage der Woche geöffnet und stellt damit eine flexible Nutzung sicher. Sie verfügt an den Werktagen schon ab 8 Uhr morgens über Selbstbedienungszeiten, bei denen kein Bibliothekspersonal zu Verfügung steht. Der Personalservice beginnt je nach Wochentag zwischen 10 und 11 Uhr und geht bis mindestens 18 Uhr. Am Samstag und Sonntag steht die Bibliothek ebenfalls offen für ein paar Stunden und lädt zu einem Wochenendbesuch ein.15

Die Bibliothek verteilt sich insgesamt auf drei Stockwerke im Gebäude der Kulturværftet. Auf der Bibliotheksfläche wird das Medienangebot, Aufenthaltsfläche und Servicebereiche zu einem offenen und vielseitigen Raum verbunden. Im Erdgeschoss befindet sich auch der Eingangsbereich der Bibliothek. Dort befindet sich die Rezeption, das Café der Kulturværftets, Computerarbeitsplätze und die Kinderbibliothek, die besonders die Familien anzieht. Auf der nächsten Ebene befinden sich neben den zahlreichen Medienangeboten Bereiche zum Arbeiten und Lernen. Dazu gehören Gruppenräume, die online reserviert werden können, und ein IT-Raum mit Drucker und Scannern, die selbstständig von den Besuchenden genutzt werden können. Ergänzt wird das Angebot hier auch durch eine Ausstellung des Helsingør Museums, die offen und kostenlos besichtigt werden kann. Die oberste Etage bietet neben weiteren Medienangeboten auch Arbeitsräume und dank der großen Glasfassade des Gebäudes einen weiten Ausblick auf die Umgebung des Kulturhauses über den Hafen und das Schloss. Dabei schafft die Bibliothek sowohl funktionale Lernräume und offene Aufenthaltsbereiche, die zum Besuchen und Verweilen einladen.16

Das Kulturhaus und die Bibliothek bieten ebenfalls ein vielseitiges Veranstaltungsangebot. Dazu gehören Informationsveranstaltungen, Lesungen, Leseclubs und andere Aktivitäten. Diese sprechen verschiedene Interessen und Bedürfnisse der Bibliotheksnutzenden sowie verschiedene Zielgruppen an. Dazu gehört beispielsweise die Beratung zu einer Studiums- oder Ausbildungswahl, die von der der Organisation des Ministeriums für Hochschulbildung und Forschung Studievalg Danmark arrangiert wird.17

Für alle Menschen, die ihren Tag einmal anders starten möchte, hält die Bibliothek ein besonderes Angebot bereit. Wer möchte, kann auch schon vor der Arbeit den Tag interessant beginnen und um 8:30 Uhr beim gemeinsamen Singen teilnehmen.18

Für Lesebegeisterte gibt es verschiedene Leseclubs, die alle zwei Wochen ein vorher ausgewähltes Buch besprechen. Die Leseclubs decken unterschiedliche Genres ab, darunter Kurzgeschichten, Fantasy oder deutsche Literatur, und sprechen alle Altersgruppen an, mit speziellen Kinder-Leseclubs oder Buch -Communitys für junge Menschen von 15 bis 25 Jahren.19 Kreative Menschen können zudem wöchentlich an Handarbeitstreffen teilnehmen, bei denen gemeinsam gestrickt oder gehäkelt wird und Inspiration aus den Handarbeitsbüchern der Bibliothek genutzt werden kann.20 Die verschiedenen Aktivitäten sind entweder Festangebote, die wiederkehrend stattfinden oder einmalige Veranstaltungen wie Lesungen oder Filmangebote. Sehr viele sind dabei kostenlos und frei zugänglich. Einige benötigen aber auch vorab eine feste Reservierung oder sind kostenpflichtig.

Wer die Bibliothek nicht besuchen kann, hat die Möglichkeit, Medien direkt nach Hause geliefert zu bekommen, was besonders für Menschen hilfreich ist, die aufgrund körperlicher Einschränkungen nicht aus dem Haus gehen können.21

Die Bibliothek folgt einer klaren Strategie, die die Bürger*innen aktiv einbezieht und darauf abzielt, das Wissen, kulturelle Erlebnisse und die Gemeinschaft zu fördern. Sie schafft einen Mehrwert für die Menschen in Helsingør, indem sie auf Vielfalt, Offenheit und Nachhaltigkeit setzten. Die Bibliothek ist ein Treffpunkt, an dem Neugier, Freiheit und Kreativität gefördert werden.22

4 Von Bach und Jazz im Black Diamond

Der “Black Diamond” ist Teil der Königlichen Bibliothek Dänemark und liegt im Hafengebiet von Kopenhagen auf der Insel „Slotsholmen”. Die Bibliothek wurde im Jahr 1999 neu gebaut. Das Gebäude liegt in urbaner Lage mit Blick zum Hafenbecken, die Fassade ist komplett in spiegelndem schwarzem Glas gehalten.

Der Neubau sorgt für eine Verbindung zwischen den Räumen, die als klassische Bibliothek genutzt werden und denen, die Kulturveranstaltungen anbieten (Larsen 2000: 100). Der Bau ist eine Erweiterung der ursprünglichen alten Bibliothek von 1906. In diesen Räumlichkeiten befindet sich auch ein Lesesaal aus dieser Zeit.

Im Shop der Königlichen Bibliothek gibt es Informationsmaterial zu kulturellen Events in Kopenhagen, Einführung in die Bibliothek oder Buch- und Bürobedarf zu kaufen. Es findet sich ein Café in dem Gebäude und zahlreiche Aufenthaltsmöglichkeiten. Auch diese Bibliothek hat verlängerte Öffnungszeiten, sowie am Sonntag offen, meist bis 20 Uhr auch unter der Woche.

Das Besondere am schwarzen Diamanten ist das vielfältige Kulturangebot, besonders in der Veranstaltungsarbeit. In dem Gebäude befindet sich ein Konzertsaal, der für 600 Personen ausgelegt ist. Hier wird Jazzmusik gespielt und von Bach bis zu amerikanischen Songwritern ein vielfältiges Konzertangebot geboten. Für Studierende gibt es eine ermäßigte Kulturkarte, die Eintritt zu den Veranstaltungen ermöglicht.

Abgesehen von Konzerten hat man im Black Diamond auch die Möglichkeit Ausstellungen zu besuchen. Hier werden die Schätze der Sammlung der Königlichen Bibliothek präsentiert. Zudem erlaubt es den Besuchenden einen Blick auf ein Manuskript des berühmten dänischen Märchenerzählers Hans-Christian Andersen.

Kunst und Kulturschaffende aus Dänemark und dem Rest der Welt stellen hier aus. 2025 gibt es z.B. eine permanente Ausstellung über den Musiker Nick Cave. Die Ausstellung hat sowohl physische als auch virtuelle Objekte und wurde mit dem Musiker selbst kuratiert. Auch für Familien gibt es ein breites Angebot, es werden z.B. Rallyes durch die (alten) Räumlichkeiten der Bibliothek angeboten.23

Die Bibliothek ist ein Dritter Ort, denn sie schafft eine Zugänglichkeit durch die langen Öffnungszeiten, bietet multifunktionale Räume und ein niedrigschwelliges Kulturangebot für verschiedene Zielgruppen.

Der Black Diamond in Kopenhagen mit moderner, schwarzer Fassade am Wasser, davor ein gelbes Boot im Hafen.

Abb.3 Der Black Diamond (Herzog:2014)24

5 Ein Bibliotheksgarten für Aarhus

Die Aarhus University Library (AU Library) ist ebenfalls ein Teil der dänischen Nationalbibliothek. Sie umfasst mehrere Bibliotheken innerhalb des Stadtgebiets von Aarhus und in Nachbarstädten. Es handelt sich um ein Netz aus wissenschaftlichen Bibliotheken, die besonders durch die Gestaltung der Räumlichkeiten einen Dritten Ort schaffen. Besonders bezeichnend ist der Standort der Königlichen Bibliothek in Aarhus im Victor Albecks Vej. Dieser Standort wurde 2018 renoviert unter dem Motto #BetterLibrary. Hier befindet sich auch ein Bücherturm mit Lagerräumen.25

Bei dieser Renovierung wurde im gläsernen Innenhof der Bibliothek ein Garten angelegt mit vielen Sitzflächen und offenem Raum zum Lernen und Leben. Dieser Bau dient als Erweiterung der Parkanlage „Universitetsparken” im gleichen Areal. Der Bereich wurde von der Architekturgruppe „Arkitema” realisiert. Nun gibt es hier Lernorte, ein Café, Kantine und Orte für Seminare und Treffen. Die Bibliothek dient als multifunktionaler Ort, der das akademische und studentische Leben mit dem sozialen verbinden soll. Die Bibliothek hat an den meisten Standorten 24 Stunden geöffnet für Studierende und Angehörige der Hochschule. So hat sich dieser Ort von einem Aufbewahrungsort für Bücher zu einem Community Space entwickelt (Arkitema 2025).

Die AU Library ist ebenfalls Teil des EU-geförderten Projekts „Urban Knowledge Hubs – Transformative Societal Spaces for Hybrid Libraries in the Baltic Sea Region”. In diesem Projekt geht es darum (urbane) Räume zu schaffen, die kollaborativ sind und gemeinsam mit den späteren Nutzenden partizipativ gestaltet werden. Um für die neue Bibliothek der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Herning Ideen und Wünsche zu sammeln, wurde eine Pop-Up Station vor einer Mensa aufgebaut und Studierende konnten bei kostenlosen Kaffee und Kuchen ihre Wünsche äußern (Interreg Baltic Sea Region 2025).

Die Bibliothek hat mit ihren Lernräumen und den ausgedehnten Öffnungszeiten bereits einen sehr zugänglichen Dritten Ort geschaffen. Und mit dem Konzept der UKHs weitet die AU Library ihr Potenzial als Dritter Ort noch weiter aus.

6 Fazit

Die im Artikel vorgestellten Bibliotheken verdeutlichen, wie konsequent das Konzept des Dritten Ortes in Dänemark umgesetzt wird. Sie zeigen, dass Bibliotheken von heute, sich zu offenen Räumen des sozialen Miteinanders entwickelt haben. Sie verstehen sich als offene, niedrigschwellige Treffpunkte, die Raum für Austausch, Lernen, Kultur und Gemeinschaft bieten.

Besonders deutlich wird dies an der Vielfalt der Angebote und Veranstaltungen, die unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Von Leseclubs und kreativen Workshops über Beratungsangebote bis hin zu kulturellen Veranstaltungen schaffen die Bibliotheken Orte, an denen Menschen zusammenkommen und sich aktiv beteiligen können. Lange und flexible Öffnungszeiten sowie digitale Zugangsmodelle tragen zusätzlich dazu bei, Barrieren abzubauen und die Nutzung zu erleichtern.

Die Beispiele aus Aarhus, Helsingør und Kopenhagen verdeutlichen zudem, dass Bibliotheken in Dänemark bewusst als multifunktionale Räume gestaltet werden. Architektur, Raumkonzepte und Programmangebote greifen ineinander und unterstützen die Rolle der Bibliothek als sozialer Mittelpunkt. Dabei werden sowohl gesellschaftlich relevante Themen aufgegriffen als auch individuelle Bedürfnisse berücksichtigt.

Die hier vorgestellten Beispiele zeigen den Wandel von Bibliotheken zu Dritten Orten auf. Sie verdeutlichen, wie diese zu lebendigen Orten werden, die kulturelle Teilhabe ermöglichen und das soziale Miteinander stärken. Von diesen Bibliotheken kann sich die deutsche Bibliothekslandschaft inspirieren lassen.

Literatur

AART (2025): The Culture Yard, [online] https://aart.dk/en/projects/kulturværftet [14.11.2025].

Arkitema (2025): Roayl Danish Library, Aarhus University | New User Facilities in the Book Tower | Arkitema, Arkitema, [online] https://www.arkitema.com/en/project/det-kgl-bibliotek-aarhus [30.11.2025].

Britannica Editors (2019): Helsingør | Viking history, Kronborg Castle | Britannica, Encyclopedia Britannica, [online] https://www.britannica.com/place/Helsingor [12.11.2025].

Graf, Heinz-Jörg (2018): Bibliotheken suchen ein neues Image - "Ein Ort für Menschen, nicht für Bücher", Deutschlandfunk Kultur, [online] https://www.deutschlandfunkkultur.de/bibliotheken-suchen-ein-neues-image-ein-ort-fuer-menschen-100.html [16.11.2025].

Interreg Baltic Sea Region (2025): Urban Knowledge HubsTransformative Societal Spaces for Hybrid Libraries in the Baltic Sea Region Pilot Evaluation Report, (Pilot Evaluation Report), Aarhus.

Knauer, Claudia (2016): Die offene Bücherei in Dänemark, in: Bibliotheksforum Bayern, Jg. 2, S. 120–123.

Lammhults Biblioteksdesign A/S (2018): Dokk1 Awarded IDA Design Awards, [online] https://wearelibrarypeople.com/news/dokk1-awarded-ida-design-awards [16.12.2025].

Larsen, Steen Bille (2000): The Turbulent Totality and the Total Experience: Cultural Activities at The Black Diamond, The Royal Library in Copenhagen, in: LIBER Quarterly: The Journal of the Association of European Research Libraries, Jg. 10, Nr. 2, S. 99–107, doi: 10.18352/lq.7583.

Larsen, Svend (2024): Danish Libraries between „Wende“ and „Zeitenwende“, in: Bibliothek Forschung und Praxis, De Gruyter, Jg. 48, Nr. 3, S. 718–722, doi: 10.1515/bfp-2024-0043.

Oestergaard, Marie (2025): About DOKK1, Third Places Network, [online] https://third-places-network.org/partners/dokk1/about-dokk1/ [16.11.2025].

Oldenburg, Ray (1999): The Great Good Place: Cafés, Coffee Shops, Bookstores, Bars, Hair Salons, and Other Hangouts at the Heart of a Community, New York: Marlowe and Company.

Pirsich, Volker (2015): Wenn Die Ausleihen Zurückgehen – Was Kommt Dann?, in: BuB-Forum Bibliothek und Information, Jg. 67, Nr. 07/2015.

Strauss, Simon (2015): Die Zukunft der Bibliothek? Das Dokk1 in Aarhus, Frankfurter Allgemein Zeitung, [online] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/themen/die-zukunft-der-bibliothek-das-dokk1-in-aarhus-13834316.html [16.11.2025].


  1. Siehe Bibliotheksportal:2025 https://bibliotheksportal.de/fuer-bibliotheken/management/strategie-und-planung/open-library/ [Online, Zugriff: 16.12.2025].↩︎

  2. Siehe MitID:2025 https://www.mitid.dk/en-gb/ [Online, Zugriff: 14.12.2025].↩︎

  3. Siehe Aarhus Public Libraries: 2025 https://www.aakb.dk/om-bibliotekerne [Online, Zugriff: 14.12.2025].↩︎

  4. Geest, Maybrit (2024): ohne Titel, eigene Abbildung.↩︎

  5. Siehe Aarhus Public Libraries: 2025 https://www.aakb.dk/idelab [Online, Zugriff: 14.12.2025].↩︎

  6. Siehe Aarhus Public Libraries: 2025 https://www.aakb.dk/maker-lab-i-dokk1 [Online, Zugriff: 14.12.2025].↩︎

  7. Siehe Aarhus Public Libraries: 2025 https://www.aakb.dk/hovedbiblioteket/arrangementer/udstilling/orange-dage-i-aarhus [Online, Zugriff: 14.12.2025].↩︎

  8. Siehe Aarhus Public Libraries: 2025 https://www.aakb.dk/hovedbiblioteket [Online, Zugriff: 14.12.2025].↩︎

  9. Siehe Aarhus Public Libraries: 2025 https://www.aakb.dk/book-en-bibliotekar [Online, Zugriff: 14.12.2025].↩︎

  10. Siehe Aarhus Public Libraries: 2025 https://www.aakb.dk/hovedbiblioteket/arrangementer/kreativitet/kreavaerksted [Online, Zugriff: 14.12.2025].↩︎

  11. Siehe Aarhus Public Libraries: 2025 https://www.aakb.dk/hovedbiblioteket/arrangementer/hjaelp-og-vejledning/studiecafe-pa-dokk1/2025-12-03 [Online, Zugriff: 14.12.2025].↩︎

  12. Siehe Aarhus Public Libraries: 2025 https://www.aakb.dk/arrangementer?f%5B0%5D=filial%3A18&page=1 [Online, Zugriff: 14.12.2025].↩︎

  13. Orf3us (2016): Kulturværftet in Helsingør, Dänemark [online]. Verfügbar unter: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kulturv%C3%A6rftet_i_Helsing%C3%B8r.jpg.↩︎

  14. Siehe The Culture Yard: 2025 https://helsbib.dk/helsingor-turistinformation [Online, Zugriff: 14.12.2025].↩︎

  15. Siehe The Culture Yard: 2025 https://helsbib.dk/biblioteket-kulturvaerftet [Online, Zugriff: 14.12.2025].↩︎

  16. Siehe The Culture Yard: 2025 https://helsbib.dk/biblioteket-kulturvaerftet [Online, Zugriff: 14.12.2025].↩︎

  17. Siehe The Culture Yard: 2025 https://helsbib.dk/biblioteket-kulturvaerftet/arrangementer/arrangementer/faste-tilbud/studievejledning-pa-25 [Online, Zugriff: 14.12.2025].↩︎

  18. Siehe The Culture Yard: 2025 https://helsbib.dk/biblioteket-kulturvaerftet/arrangementer/arrangementer/faste-tilbud/morgensang/2025-12-02 [Online, Zugriff: 14.12.2025].↩︎

  19. Siehe The Culture Yard: 2025 https://helsbib.dk/om-biblioteket/biblioteket-tilbyder/laeseklubber [Online, Zugriff: 14.12.2025].↩︎

  20. Siehe The Culture Yard: 2025 https://helsbib.dk/biblioteket-kulturvaerftet/arrangementer/arrangementer/faste-tilbud/handarbejdscafe-pa-46 [Online, Zugriff: 14.12.2025].↩︎

  21. Siehe The Culture Yard: 2025 https://helsbib.dk/om-biblioteket/biblioteket-tilbyder/saerlige-tilbud/biblioteket-kommer [Online, Zugriff: 14.12.2025].↩︎

  22. Siehe The Culture Yard: 2025 https://helsbib.dk/om-biblioteket/hvem-er-vi/strategi-biblioteket [Online, Zugriff: 14.12.2025].↩︎

  23. Siehe Royal Danish Library:2025 https://www.kb.dk/en/visit-us/black-diamond-copenhagen [Online, Zugriff: 01.12.2025].↩︎

  24. Herzog, Julian (2014): English:  Den Sorte Diamant („the black diamond”) of the Royal Danish Library (Copenhagen Slotsholmen) [online]. Verfügbar unter: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_Black_Diamond_Royal_Danish_Library_Copenhagen_Slotsholmen_2014_01.jpg.↩︎

  25. Siehe Royal Danish Library:2025 https://www.kb.dk/en/visit-us/victor-albecks-vej-aarhus/about-building [Online, Zugriff: 01.12.2025].↩︎

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Erhalten

01.12.2025

Akzeptiert

16.12.2025

Veröffentlicht

11.02.2026