Bibliothekarische Konferenzen

Welche gibt es und wie kann man an ihnen teilnehmen?

  • Karsten Schuldt Schweizerisches Institut für Informationswissenschaft, FH Graubünden
    Wissenschaftlicher Projektleiter

DOI:

https://doi.org/10.15460/apimagazin.2026.7.1.266

Schlagworte:

Konferenzen, Vorträge, Bibliothekswesen, Profession

Begutachtung

  • Prof. Dr. Ulrike Verch Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Abstract

Konferenzen, Tagungen und ähnliche Treffen sind im Bibliothekswesen wichtige Foren zur Diskussion aktueller Fragen, dem Aufzeigen neuer Trends sowie dem Knüpfen und Pflegen von Kontakten. Sie zu verfolgen, sie zu besuchen und sich aktiv an ihnen zu beteiligen, sollte zum Arbeitsalltag von Bibliothekar*innen gehören. Die Teilnahme empfiehlt sich auch für Studierende und Auszubildende. In diesem Beitrag werden wichtige Tagungen im deutschsprachigen Bibliothekswesen vorgestellt und erläutert, wodurch sie sich auszeichnen. Dabei soll vor allem aufgezeigt werden, was für Möglichkeiten zur aktiven Teilnahme (Vorträge, Poster, Hands-on-Labs etc.) existieren.

1 Warum sind Konferenzen wichtig?

Es gibt im Bibliothekswesen eine Anzahl von Konferenzen, Tagungen und anderen regelmäßigen Treffen, auf denen Bibliothekar*innen und Personen aus anderen Einrichtungen des Bibliothekswesens (Fachstellen, Verbundzentralen, Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen oder auch Firmen etc.) zusammenkommen. Diese Treffen dienen dem Austausch über Projekte, Lösungen, Probleme und Erfahrungen von Bibliotheken. Zudem können sie als Plattformen für Diskussionen und inhaltliche Auseinandersetzungen dienen. Sie bieten auch die Möglichkeit, neue Projekte initiieren. aufzugleisen. Für Bibliothekar*innen oder andere Teilnehmende (von Studierenden über Professor*innen zu Firmenvertreter*innen) bieten sie zudem Möglichkeiten zum persönlichen Kontakt, zum Aufbau von Netzwerken und dazu, einen Beitrag zur Entwicklung des Bibliothekswesens zu leisten. Solche Treffen sind, neben der Fachliteratur, Kontakten in kleineren bibliothekarischen Arbeitsgruppen und digitalen bibliothekarischen Kommunikationskanälen (Mailinglisten, Foren, Social Media), wichtige Knotenpunkte des Bibliothekswesens. Ohne diese Treffen würden sich Bibliotheken kaum fortentwickeln.

Sie können auch, wenn das gewünscht ist, genutzt werden, um die eigene Karriere im Bibliothekswesen voranzutreiben, beispielsweise mit aktiver Netzwerkarbeit oder mit Beiträgen, die den eigenen Namen sichtbarer werden lassen.

Gleichzeitig werden diese Treffen, verglichen damit wie viele Personen im Bibliothekswesen arbeiten, nur von einer kleinen Anzahl von Bibliothekar*innen und anderen Personen besucht. Noch weniger nehmen, meiner Erfahrung nach, dabei „aktiv”, also mit eigenen Beiträgen, teil. Insbesondere während des bibliothekarischen Studiums (oder anderen Ausbildungsgängen) würden sich solche Besuche aber anbieten, schon um das Bibliothekswesen besser kennenzulernen.

Gründe für die teilweise geringen Zahlen von Aktiven auf diesen Treffen gibt es gewiss einige. Neben finanziellen Fragen scheint es aber, dass gerade Studierende und Auszubildende sie auch oft nicht besuchen, weil sie nicht dazu ermutigt werden, ihnen nicht vermittelt wird, dass es solche Treffen gibt oder wie sie sich an diesen beteiligen können.

Dieser Beitrag will deshalb einen Überblick zu diesen Treffen geben. Dabei wird sich auf die mehrheitlich deutschsprachigen Länder, den DACH-Raum (nach den internationalen Autokennzeichen für Deutschland, Österreich und der Schweiz), beschränkt. (Abschnitt 2) Anschließend werden Formate dargestellt, mit welchen man an diesen Treffen teilnehmen kann (Abschnitt 3) sowie Fragen der Finanzierung und Aufgaben der Bibliotheken angesprochen (Abschnitt 4). Am Ende wird dann dazu aufgerufen, solche Treffen auch auf kleinerer Ebene selbst zu organisieren. (Abschnitt 5)

2 Bibliothekarische Konferenzen

Eine vollständige Liste von regelmäßig abgehaltenen Tagungen im Bibliotheksbereich zu erstellen, ist kaum möglich, da sich diese mit der Zeit immer wieder verändern würde – ständig werden Konferenzen neu aufgesetzt, umbenannt, eingestellt oder auch zusammengelegt. Zudem ist die Grenze zwischen organisierten Konferenzen und regelmäßigen Arbeitstreffen gerade bei Spezialthemen fließend. Es gibt jedoch einige Treffen, die schon eine lange Kontinuität aufweisen. Diese werden hier in Auswahl dargestellt.

Im Gegensatz zu anderen Feldern – z.B. der Medizin – werden die Treffen im Bibliothekswesen nicht von Außenstehenden organisiert, sondern fast vollständig aus dem Bibliothekswesen selbst. Obwohl für die großen Konferenzen auf Anbieter für die Organisation zurückgegriffen werden, sind diese dabei nur Dienstleister, nicht selbst Veranstalter. Das heißt aber auch, dass die bibliothekarischen Treffen praktisch aus dem Bibliothekswesen selbst finanziert werden (müssen). Eine kleine Anzahl von Firmen tritt auf den Konferenzen mit eigenen Ständen auf und trägt damit einige der anfallenden Kosten. Jedoch ist dies ist eine kleine, tendenziell schrumpfende, Zahl von Anbietern, die oft selbst sehr spezifische Angebote für das Bibliothekswesen (und manchmal angrenzende Felder wie Archive) machen. Es sind aber keine Großunternehmen mit großen Werbebudgets. Es ist recht wenig Geld im System der bibliothekarischen Treffen – was auch heißt, dass sie nicht stattfinden würden, wenn sie nicht aus dem Bibliothekswesen heraus organisiert würden. Das führt aber wieder dazu, dass die Kosten für die Teilnahme an diesen Treffen gering sind, verglichen mit denen in anderen Feldern. Zudem sind diese Treffen sehr auf den DACH-Raum oder gar ein Land fokussiert, obgleich es auch immer Teilnehmer*innen aus anderen Sprachräumen und Ländern gibt. Die Konferenzsprache ist generell Deutsch, außer in der Schweiz, wo selbstverständlich auch auf Französisch oder Italienisch vorgetragen wird. Englische Beiträge gibt es selten und Beiträge in anderen Sprachen praktisch nicht (Internationale Treffen, beispielsweise die jährliche Konferenz des Internationalen Bibliotheksverbandes „IFLA” oder der durch die europäischen Länder „wandernden” Konferenz „BOBCATSSS”, gibt es, aber sie haben im DACH-Raum wenig Bedeutung erlangt.).

Zudem trifft sich auf diesen Konferenzen praktisch das Bibliothekswesen allein. Besucher*innen aus anderen Bereichen (Politik, Archiven, Schulen, Hochschuleinrichtungen etc.) gibt es, aber immer als Ausnahmen (So wie Bibliothekar*innen z.B. auch manchmal aus Interesse pädagogische Fachkongresse besuchen.). Im Normalfall sind es einige hundert Teilnehmer*innen, die sich pro Veranstaltung einfinden.

Die meisten der regelmäßigen Treffen werden kontinuierlich von bibliothekarischen Verbänden oder Fachgruppen organisiert. Möglich, aber selten, sind auch selbstorganisierte Treffen außerhalb dieser etablierten Strukturen. Eine kleine Anzahl von Firmen aus dem Umfeld des Bibliothekswesens organisiert zudem Treffen, meist als Nutzer*innentreffen der Produkte der jeweiligen Firmen. Diese sind dann oft als Treffen bei den großen Konferenzen angedockt (Sie finden also in der gleichen Stadt und zum Zeitpunkt des großen Treffens statt).

Die folgende Aufzählung ist also nicht vollständig, sollte aber einen guten Überblick zu den aktuell etablierten Konferenzen geben.

  • Die bei Weitem größte dieser Veranstaltungen stellt die „BiblioCon” dar (Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare & Berufsverband Information Bibliotheken e.V. 2025)1. Sie wird jährlich von den deutschen bibliothekarischen Verbänden organisiert, alle drei Jahre auch unter dem Namen „Bibliothekskongress” (dann vom Bibliothek & Information Deutschland organisiert, was aber keine praktischen Auswirkungen auf die Veranstaltung selbst hat). Sie findet immer in einer deutschen Stadt statt und hat jeweils 3.000 bis 5.000 Teilnehmer*innen (was auch heißt, dass die Städte jeweils Veranstaltungsorte für diese Größe bieten müssen, insoweit sind es oft Metropolen wie Hamburg oder Berlin), die jeweils aus dem ganzen DACH-Raum, oft inklusive Luxemburg und Südtirol, stammen. Für die Schweizer Kolleg*innen gibt es dann auf der „BiblioCon” z.B. ein eigenes Treffen, so wie die Konferenz auch für viele weitere Nebentreffen von Arbeitsgruppen etc. genutzt wird. Veranstaltungsdauer sind je vier Tage, die Struktur ist immer ähnlich (Eröffnungs- und Abschlussveranstaltung, Konferenzparty, Führungen durch Bibliotheken, Ausstellung von Bibliotheksbussen etc.). Für die Konferenz werden Ende Sommer des vorhergehenden Jahres Call for Papers und andere Calls veröffentlicht.

  • Jetzt alle zwei Jahre, und damit eine Vorgängerveranstaltung ablösend, findet der „Österreichische Bibliothekskongress” statt, jeweils über drei Tage im Frühjahr (Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekar & Büchereiverband Österreich 2025)2. Er wird vor allem von Bibliothekar*innen des Landes besucht, der Großteil der Beiträge von den Organisator*innen direkt eingeworben. Eine Besonderheit ist hier, dass recht viele Kolleg*innen aus kleinen Bibliotheken (und Schulen) teilnehmen.

  • Der „Schweizerische Bibliothekskongress” findet jedes zweite Jahr im Herbst statt, ebenfalls über drei Tage und mit immer wieder ähnlichem Programmablauf (bibliosuisse 2025)3. In den Jahren dazwischen gibt es die Jahresversammlung des Verbandes „bibliosuisse” (die sonst Teil des Kongresses ist). Ein Call for Papers wird jeweils im Frühjahr veröffentlicht. Angestrebt wird, das Treffen jeweils einmal in der Deutschschweiz und einmal in der restlichen Schweiz stattfinden zu lassen. Teilweise wird aber auch im Ausland (z.B. Konstanz) getagt.

  • Jährlich im Herbst findet, rein digital, die „#vbib” statt (Technische Informationsbibliothek (TIB) 2025)4. Diese wurde einst organisiert als Ersatzveranstaltung zur 2020 wegen der COVID-19-Pandemie ausgefallenen „BiblioCon” (die damals noch einen anderen Namen hatte). Seitdem hat sich die „#vbib” zu einer eigenen, hauptsächlich von der Technischen Informationsbibliothek (TIB) in Hannover getragenen Veranstaltung entwickelt. Der Call wird normalerweise im späten Frühling veröffentlicht. Der Wert wird daraufgelegt, dass die Beiträge partizipative Elemente (Diskussionen etc.) beinhalten und nicht reine Vorträge bleiben. Zudem geht es zumeist um Fragen der Digitalisierung oder digitaler Services in Bibliotheken.

  • Die „Open Access Tage” werden jährlich, jeweils über drei Tage, in einer Stadt im gesamten DACH-Raum durchgeführt (Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen 2025)5. Sie sind, wie im Namen angedeutet, gedacht als Veranstaltung, auf der sich mit Fragen von Open Access und Open Science beschäftigt wird. Dabei treffen sich vor allem Personen, die in Bibliotheken, Hochschulen oder Landesinitiativen direkt mit Services in diesem Bereich beschäftigt sind. In den letzten Jahren ist die Zahl der angebotenen Plätze teilweise auf 200 oder 250 beschränkt gewesen (vor allem, weil die Finanzierung immer schwieriger wird). Auch zu dieser Veranstaltung werden Calls publiziert, meist am Anfang des betreffenden Jahres.

  • Unter dem Namen „Semantic Web in Libraries” wird jährlich im Herbst eine Konferenz organisiert, die sich mit technischen Fragen des Bibliothekswesens beschäftigt (Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen (hbz) 2025)6. Wieder wird über drei Tage praktisch zwischen Einzelvorträgen und vielen Sessions, in denen direkt mit Software, Daten oder auch Policies gearbeitet wird, abgewechselt. Angelegt ist die Konferenz als internationale Veranstaltung. Deshalb ist die Konferenzsprache Englisch. Aber fast immer findet sie im DACH-Raum statt. Ein Call wird im Frühjahr publiziert.

  • Von der Firma OCLC wird jährlich der „Bibliotheksleitungstag” veranstaltet, dann über zwei Tage, jeweils am Ende des Jahres, mit eingeladenen Beiträgen und in einer deutschen Stadt (OCLC 2025)7. Angesprochen werden vor allem Bibliotheksleitungen, von denen dann auch regelmäßig zwischen 1500-2000 zusammenkommen. Gerade über diese Veranstaltung gehen die Meinungen im Bibliothekswesen stark auseinander: Einige sehen sie als Werbeveranstaltung der Firma, auf der zudem ein technologiefixierter Innovationsbegriff propagiert wird, während andere sie gerade als inhaltlich anregenden Kontrapunkt zu den anderen Veranstaltungen ansehen.

  • „Regionale Bibliothekstage” finden in einigen Bundesländern (D), Ländern (A) oder Kantonen (CH) statt, dann oft organisiert von den dortigen Landesfachstellen/kantonalen Fachstellen für das Bibliothekswesen oder vergleichbaren Strukturen. Aber ob das überhaupt passiert, wie diese Konferenzen dann ausgestaltet werden oder wie regelmäßig sie stattfinden, ist jedes Mal unterschiedlich. Sie ermöglichen aber, dass sich auch kleinere Bibliotheken beteiligen oder Kolleg*innen an ihnen teilnehmen können, die eher in eine Gemeinde ihres Kantons/Landes fahren können, als in die Städte, in denen die großen Konferenzen oft stattfinden. Zudem organisieren einige bibliothekarische Fachgruppen eigene Tagungen, z.B. die „Arbeitsgemeinschaft für Medizinisches Bibliothekswesen” oder die „Arbeitsgemeinschaft der Bibliotheken und Dokumentationsstellen der Ost-, Ostmittel- und Südosteuropaforschung” (letztere finden teilweise in Osteuropa statt). Für Interessierte aus dem Bereich Bibliothekspädagogik gibt es das „Forum Bibliothekspädagogik” (oft von Studierenden und Lehrenden getragen) oder für im Bereich Informationskompetenz engagierte Kolleg*innen die „IK DACH-Tagung”.

3 Formate für Beiträge

Treffen dieser Art leben von der aktiven Teilnahme. Bei den meisten dieser Konferenzen ist es möglich, sich einzubringen, indem man auf den jeweiligen Call reagierend einen Vortrag oder ähnliches vorschlägt und dann, falls dieser angenommen wird, diesen auch hält. Da die Konferenzen nur mit wenig Mittel auskommen müssen, erhält man im Normalfall dafür kein Honorar. Es ist aber normal, dass die Personen, welche einen Beitrag leisten, freien Eintritt für den jeweiligen Kongress erhalten.

Sicherlich kann schon die Teilnahme an einer Konferenz interessant sein, zumal viele Kontakte durch Gespräche nebenher, in den Kaffeepausen, auf den Social Events usw. entstehen. Eine ganze Anzahl von Bibliotheken finanziert für ihre Mitarbeitenden die Teilnahme an solchen Kongressen, oft mit der Vorgabe, dass diese dann bestimmte Vorträge o.ä. besuchen und anschließend intern darüber berichten müssen.

Aber die Beteiligungsmöglichkeiten sind größer, zumal sich fast alle dieser Veranstaltungen in den letzten Jahren daran versuchen, auch andere Formate als nur Vorträge zu ermöglichen (Wobei einige dieser Versuche, beispielsweise ein Videowettbewerb auf der „BiblioCon”, auch schon wieder eingestellt wurden.). Es ist sichtbar, dass immer mehr versucht wird, möglichst vielen Interessierten die Möglichkeit zu bieten, in ihrer jeweils bevorzugten Variante Beiträge zu liefern. Auch, wenn gerade bei der „BiblioCon” immer wieder vorgeschlagene Beiträge abgelehnt werden – schon, weil dort die Zahl der offenen Spots begrenzt ist – ist der Wunsch praktisch aller Organisierenden zu spüren, ein möglichst weitreichendes Programm für möglichst viele Beitragende zu bieten und auch möglichst viele Stimmen hörbar zu machen.

  • Die verbreitetste Form von Beiträgen auf bibliothekarischen Konferenzen ist – und wird es wohl auch weiterhin blieben – der thematische Vortrag. Im Normalfall von einer oder zwei Personen gehalten, verbunden mit einer Präsentation auf Folien, einer Länge von rund zwanzig Minuten und anschließenden zehn Minuten Zeit für Diskussionen. Eigentlich auf allen Konferenzen werden diese Vorträge zu thematischen Blöcken zusammengefasst, bei denen je drei oder vier Vorträge gehalten und durch die Moderation einer Person zusammengehalten werden. Die Zahl der Zuhörenden kann, je nach Veranstaltung, Thema, aber auch Tageszeit und „Konkurrenzvorträgen”, von zehn oder einigen Dutzend bis zu wenigen Hundert Personen schwanken.

  • Neben diesen Vorträgen gibt es auch längere Reden und Vorträge. Aber diese stellen Ausnahmen dar, die zumeist von Verbandsfunktionär*innen oder ähnlich exponierten Personen bei Eröffnungs- und Abschlussveranstaltungen gehalten werden.

  • Eine weitere Form von Vorträgen, die bei einer Anzahl dieser Konferenzen (prominent auf dem „#freiraum” der „BiblioCon” oder den „Inseln” auf dem „Schweizerischen Bibliothekskongress”) angeboten wird, sind solche, die in einer weniger offiziellen, lockeren Atmosphäre stattfinden. Auf der „BiblioCon” passiert dies auf einer Fläche mit flexiblen Sitzhockern, auf dem schweizerischen Kongress oft im Stehen (wohl angelehnt an die in der Schweiz verbreiteten Apéros). Diese Vorträge sollen explizit Diskussionen oder andere Formen der Mitarbeit ermöglichen. Sie eignen sich für Diskussionen von konkreten Projekten, Präsentationen von Netzwerken oder auch für den Fall, dass sich Kolleg*innen große Vorträge nicht zutrauen oder ihrem Thema nicht angemessen finden.

  • Neben Vorträgen stellen auch Podiumsdiskussionen eine beliebte Beitragsform dar. Diese sind oft auf eine oder anderthalb Stunden hin geplant. Auf ihnen werden kompetente Personen, oft aus dem Bibliotheksbereich, versammelt und dann von einer Person, welche die Moderation übernimmt, in mehreren Fragerunden zu einem bestimmten Thema befragt. Am Ende wird die Runde für Fragen aus dem Publikum geöffnet. Nicht immer kommen auf dem Podium wirkliche Diskussionen zustande, zumal im Bibliothekswesen oft ähnliche Meinungen vertreten werden.

All diese Formen zeichnet aus, dass einzelne Personen sprechen. In vielen Fällen ist dies eine passende Form, um Informationen zu übermitteln. Aber nicht immer. Zudem ist diese Form von Beiträgen keine, die alle anspricht oder die sich alle zutrauen. Deswegen gibt es eine Anzahl von anderen Formaten.

  • Etabliert sind sogenannte Postersessions. Hierbei werden von den Teilnehmenden im Vorfeld Poster erstellt und dann bei der Konferenz aufgehangen, eigentlich immer im Format DIN A0, hochkant. Die Aufgabe ist dabei, jeweils alle Informationen, die präsentiert werden sollen, angemessen auf diesem Platz darzustellen. Poster eignen sich vor allem für die Vorstellung von Projekten und deren Ergebnisse oder von einzelnen Services von Bibliotheken. Die Poster werden am Beginn der jeweiligen Konferenz in einer Ausstellung aufgehangen, die allen Teilnehmenden zugänglich ist. An ein oder zwei Zeitpunkten wird zudem erwartet, dass die für die Poster Verantwortlichen in der Ausstellung bei ihren Postern zu finden sind, um weitere Fragen zu beantworten.

  • Weniger etabliert, aber heute eigentlich auf fast allen diesen Konferenzen zu finden, sind Hands-on-labs oder Workshops. Diese sind oft für zwei Stunden angesetzt. Sie eignen sich, wenn etwas direkt ausprobiert oder diskutiert werden soll. Beispiele sind Software oder Datensammlungen, die hier von den Entwickler*innen vorgestellt und dann direkt benutzt werden können. Aber auch Instrumente wie Handreichungen zur Erarbeitung von Bibliotheksstrategien oder verschiedene Formen von Leseveranstaltungen sind auf solchen Workshops schon Thema gewesen.

  • Neben solchen strukturierten Veranstaltungen bieten die Konferenzen oft die Möglichkeit – teilweise offiziell, teilweise nebenher – eigene Treffen, Konferenzen oder Arbeitstreffen zu organisieren. Diese eignen sich vor allem für Arbeitsgruppen, welche sich ansonsten nur online treffen. Nicht immer müssen diese Treffen für Arbeit genutzt werden. Beispielsweise organisiert die Redaktion der „LIBREAS. Library Ideas” anlässlich jeder „BiblioCon” (und manchmal zu den „Open Access Tagen”) ein offenes Treffen in einem Restaurant, welches für soziale Kontakte gedacht ist. Es ist immer möglich, insbesondere für Spezialinteressen, selbst solche Treffen am Rande einer Konferenz zu organisieren.

4 Finanzen

Wie erwähnt, werden die meisten dieser Treffen aus dem Bibliothekswesen heraus organisiert und finanziert. Es sind vor allem Beiträge von Verbänden und Teilnahmegebühren, welche für die Finanzierung verwendet werden können. Die Einnahmen durch Sponsoring halten sich sehr in Grenzen (und scheinen auch zurückzugehen). Manchmal kann auf andere Unterstützung zurückgegriffen werden, bei der „#vbib” auf die Infrastruktur der TIB, bei den „Open Access Tagen” manchmal auf Förderung durch eine Universität, in bestimmten Fällen bei den Kongressen auf Förderung durch die Gemeinde, in der dieser Kongress stattfindet. Aber niemand macht mit diesen Treffen einen Profit.

Insoweit ist es im Interesse der Bibliotheken selbst, möglichst dafür zu sorgen, dass Bibliothekar*innen an den Treffen teilnehmen und die dafür anfallenden Kosten zu übernehmen – da sie ansonsten eventuell nicht mehr stattfinden werden. Es sollte auch klar sein, dass diese Konferenzen nicht einfach soziale Treffen darstellen, sondern eine effiziente Form der Weiterbildung für das Personal und für die Beobachtung von Trends im Bibliothekswesen sind. Und obwohl viele Bibliotheken im DACH-Raum diese Verantwortung wahrnehmen und es ihrem Personal ermöglichen, die Konferenzen auf Arbeitszeit und mit Übernahme der Kosten zu besuchen, teilweise sogar dazu ermutigen, gilt das nicht für alle Bibliotheken (was angesichts des Fachkräftemangels, welches gerade dem engagierten Personal auch mehr Möglichkeiten bei der Wahl ihres Arbeitsortes gibt, eine schlechte Strategie sein kann).

Trotzdem sind die Kosten für die Teilnahme an diesen Treffen – verglichen zu anderen Feldern – gering. Sie umfassen die Teilnahmegebühr, Fahrtkosten und Aufenthaltskosten (d.h. Hotel- und Verköstigungskosten, teilweise Kosten für den Nahverkehr in der jeweiligen Stadt). Da die Treffen im DACH-Raum stattfinden, sind diese Fahrtkosten recht überschaubar. Die Teilnahmegebühren sind auch relativ gering und belaufen sich oft auf weniger als 100-150 Euro oder CHF (Und können, wie angedeutet, eingespart werden, indem ein aktiver Beitrag geleistet wird.).

Trotzdem sind diese Kosten selbstverständlich für einige Personen weiterhin zu hoch. Insbesondere Studierenden oder Personen in der Ausbildung hilft es wenig, zu wissen, dass sie für den Besuch einer medizinischen Konferenz weit mehr zahlen (und oft auch an abgelegenere Orte reisen) müssten. Außerdem ist es auch für viele Kolleg*innen nicht möglich, ihren Arbeitsplatz für mehrere Tage zu verlassen, wenn die betreffende Bibliothek z.B. eine One Person Library darstellt.

Das Bibliothekswesen versucht, darauf zu reagieren (kann aber, da die Einnahmen beschränkt sind, dies auch nur bis zu einem bestimmten Punkt tun). Einerseits bieten fast alle Konferenzen einen Teil ihrer Veranstaltungen nicht nur vor Ort, sondern auch Online an, oft ohne weitere Kosten. Selbstverständlich ist das bei einigen Formaten (Vorträgen) einfacher als bei anderen (Hands-on-Labs). Zudem entfallen so Möglichkeiten sozialer Kontakte. Die „#vbib” ist weiterhin eine rein digitale Veranstaltung, bei der auch versucht wird, die soziale Komponente zu ermöglichen. Aber bei anderen Veranstaltungen, in denen solche digitalen Kontaktformen 2020 oder in den folgenden Jahren versucht wurden, ist das wieder eingestellt worden.

Es existiert eine kleine Anzahl von Stipendien, die gerade Bibliothekar*innen, Studierenden oder Auszubildenden, welche sich ansonsten den Besuch einer bestimmten Tagung nicht leisten könnten, dabei finanziell unterstützen sollen. Diese Stipendien werden von den Verbänden, teilweise deren Landesverbänden, und manchmal von anderen Einrichtungen (beispielsweise dem LIBREAS. Verein) ausgerufen. Verkündet werden sie oft auf den bibliothekarischen Social-Media-Kanälen (v.a. Mailinglisten und Mastodon). Leider hat sich aber bislang keine Kontinuität bei diesen Stipendien eingestellt. Zudem sind sie – weil auch sie sich oft aus Mitgliederbeiträgen finanzieren – oft nicht umfassend genug, um alle Kosten für einen Tagungsbesuch zu tragen.

5 Selbstorganisierte Tagungen

Wie oben ausgeführt, sind die meisten bibliothekarischen Konferenzen im DACH-Raum aus dem Bibliothekswesen heraus organisiert und getragen.

Das heißt aber auch, dass die Organisation weiterer Veranstaltungen immer möglich ist: Es ist keine Besonderheit, wenn sich Bibliothekar*innen dafür zusammentun. Gerade, weil der Besuch der großen Tagungen für eine Anzahl von Bibliothekar*innen, aber auch für Studierende und Auszubildende, schwierig ist, bietet sich die Organisation von kleineren Veranstaltungen durch diese selbst an. Teilweise passiert dies auch schon, ohne dass es groß verkündet wird. Eine Anzahl von bibliothekarischen Arbeitsgruppen organisiert Online-Tagungen – die nicht immer so genannt werden –, auf denen v.a. laufende Projekte vorgestellt werden. Dies kann auf verschiedenen Ebenen, z.B. zwischen Kolleg*innen, die in verschiedenen Bibliotheken vergleichbare Aufgaben haben, geschehen. In einer Anzahl von Städten oder Regionen werden ebenso, teilweise regelmäßig, teilweise unregelmäßig, Tagungen von Bibliothekar*innen organisiert. Weiter oben wurden Konferenzen auf der Ebene von Kantonen / Ländern erwähnt, aber es gibt sie auch auf kleinerer Ebene (teilweise sind es Stammtische von Bibliothekar*innen einer Stadt, die nur dem sozialen Austausch dienen, teilweise aber auch Treffen mit thematischem Fokus).

Für solche Treffen können oft die Infrastrukturen von Bibliotheken (oder Ausbildungseinrichtungen) selbst genutzt werden (z.B. Büros, Veranstaltungsräume oder außerhalb der Öffnungszeiten auch die Bibliotheksräume selbst). Die Kosten können dadurch geringgehalten werden.

Es spricht nichts dagegen, dass z.B. Studierende und Auszubildende – solange es eine ausreichend große Zahl von ihnen an einem Ort gibt – solche Tagungen selbst organisieren. Manchmal wird dies – sowohl der gemeinsame Besuch einer Tagung als auch die Organisation einer eigenen kleinen Konferenz – als Lehrmittel im Studium eingesetzt, aber offenbar aktuell in keiner Hochschule kontinuierlich.

Beginnend 2008 und dann praktisch die gesamten 2010er Jahre hindurch gab es beispielsweise eine Reihe von bibliothekarischen „Unkonferenzen”, die sich an Veranstaltungen aus dem Softwarebereich und der Pädagogik anlehnten. Bei solchen „Unkonferenzen” wird sich am ersten Tag getroffen, um dann gemeinsam zu entscheiden, welche Workshops oder Diskussionen stattfinden werden. Dann erst werden sie, meist über zwei Tage hinweg, durchgeführt. Vorgängig sind Räume etc. zu organisieren, aber ansonsten wird alles direkt vor Ort, bei der Durchführung, gemeinsam arrangiert. Es geht dann dabei auch darum, Hierarchien abzubauen.

Bei dem mehrfach durchgeführten „Bibliocamp” wurde dies oft von Studierenden jeweils einer der Fachhochschulen in Deutschland getragen. Aber auch in Chur organisierte eine Gruppe von Dozierenden – zu denen der Autor dieses Textes gehörte – dreimal ein „Infocamp” mit je rund 50 Teilnehmenden (plus den Studierenden eines Kurses, die gewissermaßen zum Besuch verpflichtet wurden). Heute noch wird in Zürich alle zwei Jahre der kantonale „Bibliothekstag” in dieser Form durchgeführt (Amt für Jungend und Berufsberatung – Fachstelle Bibliotheken 2025). Gerade in einem solchen Rahmen, also auf Ebene eines Kantons oder vergleichbar großer Länder/Regionen, würde sich eine Wiederkehr solcher Veranstaltungsformate anbieten. Sie stellten, neben all dem anderen, was sie boten/bieten, auch eine Lernmöglichkeit für die spätere Teilnahme an den großen Konferenzen dar.


  1. BiblioCon (2025): BiblioCon2026, [online] https://2026.bibliocon.de/ [21.01.2026].↩︎

  2. Ramminger, Eva; Stampfl, Marie Therese (2025): Bibliothekskongress – Kongress der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare, [online] https://www.bibliothekskongress.at/ [21.01.2026].↩︎

  3. Bibliosuisse (2025): Bibliosuisse > Aktivitäten > Schweizer Bibliothekskongress > Bern 2025, Bibliosuisse, [online] https://www.bibliosuisse.ch/aktivitaten/schweizer-bibliothekskongress/bern-2025 [21.01.2026].↩︎

  4. #vBIB-Team (2025): #vBIB25 | DIGITALE OFFENHEIT, [online] https://www.vbib.net/ [21.01.2026].↩︎

  5. oat - open access tage (2026): Open-Access-Tage: Open-Access-Tage, [online] https://open-access-tage.de/open-access-tage [21.01.2026].↩︎

  6. SWIB Forum (2025): 17th Semantic Web in Libraries Conference, SWIB Forum, [online] https://forum.swib.org/ [21.01.2026].↩︎

  7. OCLC (2025): Bibliotheksleitungstag 25/26 - Startseite | OCLC, [online] https://www.oclc.org/go/de/bibliotheksleitungstag.html [21.01.2026].↩︎

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Erhalten

25.09.2025

Akzeptiert

31.10.2025

Veröffentlicht

11.02.2026