Moral Distress (dt.: moralischer Stress) ist eine besondere Form psychischer Arbeitsbelastung, die seit einiger Zeit bei Fachkräften in Sozial- und Gesundheitsberufen diskutiert wird. Als Belastungsfaktor hat es für Studierende besondere Relevanz, da Moral Distress gerade zum Berufseinstieg häufiger auftritt und eine gezielte Selbstfürsorge erforderlich macht. Im Sommersemester 2024 wurden am Dept. Soziale Arbeit der HAW Hamburg Studierende mit berufspraktischen Erfahrungen in einer quantitativen Online-Studie zu ihrer arbeitsbezogenen Stressbelastung befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass einige Studierende moralisches Unbehagen (syn: Moral Discomfort) erleben. Dieser im Vergleich zu Moral Distress abgeschwächte Gefühlszustand zeigt sich besonders bei Studierenden, die in Teams ohne offene Kommunikationskultur arbeiten. Begrenzte Praxiserfahrungen und weniger Routinen im Umgang mit belastenden Situationen machen Studierende im Praktikum und Berufseinsteiger:innen zu einer besonders vulnerablen Beschäftigtengruppe. Um hier das Risiko von Moral Distress zu senken, sind insbesondere selbstfürsorgliche Konzepte gefragt, die Möglichkeiten zur Reflexion und zum Austausch über ethische Fragestellungen in der beruflichen Praxis schaffen. Angebote wie Ethikcafés oder ethische Fallbesprechungen während des Studiums und/oder am Arbeitsplatz scheinen sehr hilfreich.
Autor/innen-Biografien
Susanne Vaudt, HAW Hamburg, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg), Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg - HAW
Susanne Vaudt, Prof. Dr. Dipl.-Kauffrau, lehrt und forscht seit 2014 im Bereich Sozialökonomie und Sozialmanagement an der HAW. Ihr aktueller Arbeitsschwerpunkt ist salutogene Organisationsentwicklung. Sie hat an mehreren HAW Forschungsprojekten mitgearbeitet. Dazu zählen das SILQUA-Projekt ADELE (2017–2020) zur (Re-) Integration älterer Menschen in prekären Lebensverhältnissen in das Hilfs- und Unterstützungssystem mit dem Ziel der Verbesserung ihrer Gesundheitssituation sowie MentalPro (2025–2026) zur Förderung der Selbstfürsorge und psychischen Gesundheit von Studierenden.
Gunter Groen, HAW Hamburg, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg), Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg - HAW
Prof. Dr. Gunter Groen, Dipl.-Psychologe, lehrt Klinische und Entwicklungspsychologie und forscht an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) mit den Arbeitsschwerpunkten Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und Interdisziplinäre Kooperation. Ebenso arbeitet er in einer eigenen psychotherapeutischen Praxis. Als Dozent und Supervisor ist er in der Ausbildung angehender Therapeuten engagiert.
Katja Weidtmann, HAW Hamburg, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg), Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg - HAW
Katja Weidtmann , Prof. Dr., Dipl.-Psychologin und systemische Therapeutin und Beraterin, lehrt an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) seit 2012 Familien- und Entwicklungspsychologie und beforscht neben dem Thema Selbstfürsorge insbesondere familienwissenschaftliche und familienpsychologische Themen.