Ethnografische Theorie ko-laborativ fügen

Autor/innen

  • Patrick Bieler
  • Lauren Cubellis
  • Jonna Josties
  • Anja Klein
  • Jörg Niewöhner
  • Christine Schmid

Schlagworte:

Theorie, Ko-Laboration, Reflexivität

Abstract

Wissen als Praxis zu begreifen, ist in der Europäischen Ethnologie heute selbstverständlich. Erkenntnisse der Wissenschafts- und Technikforschung, feministischer Kritiken und praxistheoretischer Entwicklungen haben sich produktiv mit fachlichen Problematisierungen von Rationalität, materieller und epistemischer Kultur verbunden. Im Zuge dieser Entwicklungen ist zunehmend die Performativität von Wissenspraktiken betont worden, d. h. ihre notwendigerweise immer auch gestaltende Weltwirksamkeit. Dies wiederum hat Anthropolog*innen ermutigt, verstärkt mit ethnografischen Methoden zu experimentieren, um eben jene Weltwirksamkeit besser kontrollieren bzw. entfalten zu können. Konzepte von Wissenstransfer und mode 2 Wissensproduktion sind ersetzt worden durch Interventionen, Ko-Produktion/Kreation/Design, Kollaboration, experimental entanglement und Ko-Laboration.

Uns interessiert in diesem Beitrag die Frage, was diese Entwicklung praktisch für ethnografische Theorieproduktion bedeutet. Wir entwickeln unsere Argumentation an vier Forschungsfeldern, die derzeit in unserem Labor ethnografisch im Rahmen von fortgeschrittenen Dissertationsprojekten bearbeitet werden: Genesungsbegleitung in psychiatrischen Kliniken (Schmid), Praktiken des Plattformwirtschaftens in digitalen start-up Ökosystemen (Josties), Offener Dialog in der Psychiatrie als prozessuale Therapieform (Cubellis) und Skalierung in Modellen für Mensch-Umwelt Beziehungen (Klein). Wir legen besonderen Wert auf das gemeinschaftliche ›Fügen‹ von Theorie und Reflexivität und beleuchten fallübergreifend drei Fragen genauer:

  • Welche Konsequenzen hat die Verteilung von epistemischer Handlungsträgerschaft für ethnografische Theoriebildung?
  • Wie müssen Differenzierungen in ko-laborativer Forschung kuratiert werden?

Wo liegen Herausforderungen, Grenzen und Risiken dieser Herangehensweise?

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Veröffentlicht

2021-07-29

Zitationsvorschlag

Bieler, P., Cubellis, L., Josties, J., Klein, A., Niewöhner, J., & Schmid, C. (2021). Ethnografische Theorie ko-laborativ fügen. Hamburger Journal für Kulturanthropologie (HJK), (13), 522–555. Abgerufen von https://journals.sub.uni-hamburg.de/hjk/article/view/1785

URN