Militarisierung, Kriminalisierung und Xenophobie

Zur diskursiven Konstruktion der asiatischen Hornisse im französischen Mediendiskurs

Autor/innen

DOI:

https://doi.org/10.15460/chfp1991

Schlagwörter:

Tierlinguistik, Mensch-Tier-Relation, Kritische Diskursanalyse, Asiatische Hornisse, Französischer Mediendiskurs

Abstract

Der Artikel untersucht, wie die asiatische Hornisse (Vespa velutina) im französischen Mediendiskurs sprachlich und visuell dargestellt wird. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Medien diese invasive Art als Bedrohung konstruieren und dabei anthropozentrische Deutungsmuster reproduzieren. Die Studie arbeitet mit einem thematisch fokussierten Spezialkorpus aus 138 französischsprachigen Online-Texten aus den Jahren 2009 bis 2025 mit insgesamt 70.617 Wörtern. Ausgewertet werden nationale und regionale Pressebeiträge, kommunale Webseiten sowie Beiträge von Fachverbänden und Imkerorganisationen; methodisch kombiniert der Artikel qualitative Diskursanalyse, korpusgestützte Analyse von Kollokationen, Benennungsmustern und Metaphern sowie bildlinguistische Untersuchungen ausgewählter visueller Darstellungen. Der Artikel zeigt, dass der französische Mediendiskurs über die asiatische Hornisse stark normativ und anthropozentrisch geprägt ist. Drei dominante Deutungsmuster werden herausgearbeitet: erstens eine Militarisierung, in der die Hornisse als feindlicher Eindringling und ihr Vordringen als Invasion oder territorialer Angriff erscheint; zweitens eine Kriminalisierung, in der sie als schuldhafter Täter und die Honigbiene als Opfer konstruiert wird; drittens eine xenophob-nativistische Rahmung, in der Herkunft, Fremdheit und Bedrohung semantisch eng miteinander verbunden werden. Zugleich zeigt die Studie, dass es zwar einen randständigen Gegendiskurs gibt, dieser aber quantitativ marginal bleibt; insgesamt dominiert also eine mediale Konstruktion der asiatischen Hornisse als bedrohlicher, gesellschaftlich zu bekämpfender Akteur.

Autor/innen-Biografie

  • Stéphane Hardy, Universität Siegen

    Stéphane Hardy ist Romanistin und Sprachwissenschaftlerin an der Universität Siegen, wo sie seit 2012 lehrt und forscht. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der romanistischen Tierlinguistik, der Onomastik sowie der Argot-, Sonder- und Geheimsprachenforschung. Im Bereich der linguistischen Human-Animal Studies und der Ökolinguistik untersucht sie, wie Mensch-Tier-Relationen durch Benennungen, Metaphern, lexikalische Muster, Diskurse und multimodale Darstellungen sprachlich hervorgebracht werden. Besondere Aufmerksamkeit gelten dabei der Zoosemie, zoomorphen Metaphern, der Zoonymie sowie der diskursiven Konstruktion invasiver und als unerwünscht wahrgenommener Tierarten. Ihre onomastischen Arbeiten befassen sich darüber hinaus mit Ergonymie, literarischer Onomastik und kontrastiven Benennungspraktiken (Deutsch, Italienisch, Französisch, Englisch). Ein weiterer langjähriger Schwerpunkt ist die Erforschung französischer Argots und Geheimsprachen, insbesondere des largonji du louchébem und des louchébeum, sowie ihrer sozialen und identitätsstiftenden Funktionen. Daneben arbeitet sie zu Sprachvariation, Soziolinguistik und den Varietäten des Französischen in der Frankophonie. Ihre Monographie Der largonji du louchébem – die Geheimsprache der Pariser Metzger. Eine kulturhistorische, lexikologische und soziolinguistische Analyse erschien 2023. Sie ist Mitherausgeberin des zweibändigen Handbuchs Weltsprache Französisch. Variation, Soziolinguistik und geographische Verbreitung des Französischen (2026).

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2026-03-27

Akzeptiert

2026-04-13

Veröffentlicht

2026-06-30

Zitation

[1]
Hardy, S. 2026. Militarisierung, Kriminalisierung und Xenophobie: Zur diskursiven Konstruktion der asiatischen Hornisse im französischen Mediendiskurs. apropos [Perspektiven auf die Romania]. 16 (Juni 2026), 52–97. DOI:https://doi.org/10.15460/chfp1991.