Call for papers: COVID, Krise, Kommunikation

2021-03-30

Seit gut einem Jahr ist das global beherrschende Thema die COVID-19-Pandemie, welche eine weltweite Krise ausgelöst hat. Steckt auch die Kommunikation darüber in einer Krise?

Zum einen herrscht ein kommunikatives Überangebot an Informationen und Daten zum Virus und dessen Eigenschaften und Auswirkungen. Zum anderen gibt es eine unübersichtliche Anzahl an Verhandlungen und Verkündungen der zum Teil drastisch einschneidenden Maßnahmen und zu den Begleiterscheinungen der Pandemie. Darüber hinaus haben eben diese Maßnahmen, die als Gegenmittel zur Pandemie beschlossen und umgesetzt werden, dazu geführt, dass Gesellschaft und mit ihr die Bürger:innen – in unterschiedlichem Maße – in ihren gewohnten Kommunikationsroutinen herausgefordert werden. Deutlicher als bei anderen krisenhaften Ereignissen – etwa der Bankenkrise, Eurokrise oder Migrationskrise – zeigt sich gegenwärtig, wie wichtig und dennoch schwierig das Reden über eine Krise als auch das Reden in der Krise selbst sind. 

Aus Sicht des Journals kommunikation@gesellschaft ist insbesondere der thematische Fokus auf die Digitalisierung von großem Interesse, denn diese spielt sowohl im Reden über die Krise als auch bei den Möglichkeiten von Kommunikation in der Krise eine zentrale Rolle. 

Das Reden über die Krise:

Für die Neuartigkeit des Virus, der Krankheit und ihrer Ausbreitung gibt es wenige Beispiele und Vorbilder. Nach einem Jahr Corona kann man aber zumindest sagen, dass Kommunikationsangebote, Kommunikationswege und widerstrebenden Richtungen, um aus der Krise selbst zu gelangen, weder abebben, noch sich auf wenige Stimmen oder Akteure verengen. Ganz im Gegenteil: Die Lage insgesamt erfordert eine besondere Kommunikation über Maßnahmen, Folgen, Gefahren, Risiken und Chancen. Durch das Internet haben sich die Möglichkeiten für die Informationsgewinnung als auch für den Austausch und das Reden über die Krise unüberschaubar vervielfacht. Nahezu jede und jeder kann sich an einer Diskussion beteiligen, diese dadurch beschleunigen, abweichende bzw. disparate Sichtweisen, Kritik und Skepsis äußern und Mobilisierung organisieren. Eine Kontrolle über die Kommunikation ist nicht länger möglich, dennoch haben sich wie überall dominante und weniger dominante Diskurse medial abgebildet.

Es stellen sich deshalb Fragen danach, ob das Angebot an Kommunikationsmöglichkeiten in einer solchen Krise zum Problem werden kann, also droht selbst krisenhaft zu werden. Vereinfacht gefragt: Wenn alle auf allen Kanälen reden, wem lohnt es sich dann noch zuzuhören? Nach einem Jahr Corona ist es gerechtfertigt genau darüber nachzudenken. 

Das "Reden" in der Krise:

Weiterhin hat die Krise dazu geführt, dass auf eine neue Weise kommuniziert wird – mit Mitteln, die schon länger vorhanden sind, aber bislang kaum zum Einsatz kamen. In der Bildung und bei der Arbeit bekam der Videochat eine zentrale Bedeutung. Kommunikation war häufig nur noch durch digitale Vermittlung möglich. Schulschließungen und der Versuch weitgehender Kontaktvermeidungen führten dazu, dass die Menschen im Homeoffice blieben und Distance Learning in Schulen und Universitäten eingeführt wurde. Digitale Kommunikationsmöglicheiten wurden, speziell in den Lockdown-Phasen, zum Maß aller Dinge und mussten von heute auf morgen umgesetzt werden. Aber mit welchem Erfolg, mit welchen Folgen? Was bleibt davon nach der Krise? Wieviel digitale Kommunikation werden wir danach in den Unternehmen und den Universitäten erhalten? 

Der Call for Papers

Ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie lädt das Journal kommunikation@gesellschaft dazu ein, Bilanz zu ziehen, sei es durch Studien, theoretische Essays oder Praxisbeispiele, die den kommunikativen Umgang mit und in der Krise tiefergehend beleuchten. Der Fokus soll dabei auf den vielfältigen Zusammenhängen und Bedingungen von Kommunikation in der Gesellschaft zu Pandemie, zu Risiken, zur gesellschaftlichen Zukunft liegen, oder aber eben auch darauf, wie die Krise Kommunikation verändert bzw. neue Formen hevorgebracht hat, die nicht ohne Wirkungen und Konsequenzen geblieben sind oder auch für die Post-Corona-Zeit bleiben werden.  

Mögliche Themen oder Schwerpunkte können z.B. sein: 

• Soziale Medien und das Wissen der Masse
• Politische Krisenkommunikation
• Kommunikation von Risiken
• Digitalisierung: Lösung oder Problem in einer Krise?
• Sicherheit und Unsicherheit als kommunikative Angebote und Leistungen
• Wissenschaftskommunikation in Krisenzeiten
• „Fakenews“ und andere Formen aktueller Desinformation (z.B. Telegram und die Verschwörungsideologen...)
• Homeoffice und die neuen Freiheiten oder Zwänge digitalen Arbeitens
• Bildung aus der Ferne: Schulen und Universitäten vor Herausforderungen
• Kommunikation als Gemeinschaftsprozess – Isolation und die digitale Welt als vermeintliche Lösung
• Expert:innen, neue Expert:innen und Kommunikation
• Kommunikation von und über Daten, Quantifizierungen und Visualisierungen der Pandemie
• ...

Wir laden dazu ein, Beiträge einzureichen. Eine Deadline gibt es nicht, sondern wir werden das ganze Jahr 2021 fortlaufend Artikel zu dem Themenfeld annehmen, begutachten und nach erfolgreicher Begutachtung publizieren.

Für Einreichungen nutzen Sie bitte ausschließlich die neue Plattform unseres Journals. Mehr Informationen finden Sie unter Beitrag einreichen.

Wir freuen uns auf zahlreiche Beiträge und hoffen auf eine lebendige und kritische Debatte, die wir 2021 dazu führen wollen. 

Bei Fragen kontaktieren Sie uns bitte per Mail: redaktion@kommunikation-gesellschaft.de

Die Herausgeber:innen